Auswirkungen auf Landwirtschaft und Umwelt

Gerade die ökologische Nachhaltigkeit dieser Anlage ist nicht gegeben, da die intensivere Bodenbewirtschaftung durch Nachbau und Zwischenfruchtsubstratanbau der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit entgegensteht.

Der Boden verarmt an organischer Substanz, Bodenfruchtbarkeit leidet stark, Humuszehrung, Lachgasemissionen und Stickstoffverluste belasten die Umwelt zusätzlich…. Raubbau am Boden und der Natur!

Die Substrate werden unter ökologisch fragwürdigen Bedingungen, d.h. mit erheblichem Dünger- und Pestizideinsatz erzeugt.

Insbesondere beim Anbau von Mais mit hohem Dünger- und Pestizideinsatz resultiert hieraus eine miserable Öko-Bilanz.

Langfristig noch fataler als die unmittelbare Anlagenwirkung ist deren raumgreifende Wirkung in der Gesamtregion. Mit der Anlage werden die Weichen für eine weitere Intensivierung der industriellen Landwirtschaft gestellt. Wir werden dann noch mehr Düngemittel und Pestizide in unserer Landschaft haben, die unsere Grundstücke, unsere Luft und unser Grundwasser belasten.

Artensterben durch Biogas

Monokulturen gigantischen Ausmaßes werden zu weiterer Artenverarmung in unserer Landschaft führen. Schon heute kommen auf den Ackerflächen weniger Arten als in der Wüste vor. Und wir sind auf einem guten Weg dem „stummen Frühling“ mit großen Schritten entgegen zu gehen.

Setzen wir uns zur Wehr! Lassen wir derartige Entwicklungen in unserer Region nicht zu! Es geht um unser aller Lebensqualität!

Martin Flade (Experte des Landesumweltamtes Brandenburg):

"Bezüglich des Klimawandels und der 'Agrarwende' 2005 bis 2007", so schreibt Flade, "ergibt sich die Einschätzung, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf die Bestandsentwicklung unserer Brutvögel bisher noch schwach, die Auswirkungen der Klimapolitik (Energiepolitik) dagegen dramatisch sind." Flade, ein Experte des Landesumweltamtes Brandenburg, präsentiert düstere Zahlen und Verhältnisse:

"Seit der Energiewende, nämlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz 2005, und seit der Abschaffung der obligatorischen Flächenstilllegungen der EU 2007 können nur noch vier von 30 untersuchten (Vogel-)Arten ihren Bestand halten, 26 Arten nehmen ab." Und laut Monitoring-Programm des DDA für die einheimischen Brutvögel, der weit mehr Spezies erfasste, seien "die Bestandstrends der 115 häufigsten Arten seit 1991 so negativ wie noch nie seit Bestehen des Programms; es gibt zweieinhalbmal so viele abnehmende wie zunehmende Arten."
Allein die Vögel der Gewässer und Feuchtgebiete abseits der Agrarflächen könnten ihre Bestände in etwa in der Balance halten.


Klimabilanz Agrargas

Die Gefährdung der Artenvielfalt und der Gewässer ließe sich allenfalls rechtfertigen, wenn Biogas hervorragend das Klima schützte. Doch gerade das ist oft fraglich. Zwar verbrennt Biogas klimaneutral, das entstehende Kohlendioxid haben ja Pflanzen zuvor aus der Luft geholt. Doch dem stehen erhebliche Klimabelastungen entgegen.

So kostet es viel Energie, für eine Anlage Tausende Tonnen Mais anzubauen, ihn zu düngen, vor Schädlingen zu schützen, zu ernten, zu häckseln, zu transportieren, zu silieren, unter Umwälzen zu vergären und die gewaltigen Gärrestmengen wieder auf den Feldern zu verteilen.

Zudem treiben Biogasproduzenten ein heikles Spiel mit zwei potenten Treibhausgasen: Methan, der Energieträger im Biogas, befeuert den Treibhauseffekt 25-mal so stark wie CO2. Und Lachgas (N2O), das bei der Biogasproduktion entsteht, hat ein 300-mal so großes Treibhauspotenzial wie CO2. Methan kann in die Umwelt entweichen, Biogasanlagen sind nicht absolut dicht. Sie müssen bei Störungen zugänglich sein, etwa wenn ihr Rührwerk klemmt; oder sie lassen Gas ab, um Überdruck abzubauen. Zudem verbrennt Biogas wegen seiner geringen Qualität unvollständig im Motor. „Methanschlupf“ heißt dieser Verlust.

Da die Gärreste nie voll vergoren sind, rülpsen und furzen überdies die sie zersetzenden Mikroben im Gärrestebecken munter weiter. Oft sind diese Becken nicht einmal abgedeckt. Weil Methan ein so hohes Treibhauspotenzial besitzt, genügen schon wenige Prozent Verlust, um die Klimabilanz kräftig zu verhageln. Dies passiert häufig, lässt sich jedoch kaum exakt beziffern, da Leckagen, Reparaturen oder Druckschwankungen schwer erfassbar sind. In der Fachliteratur werden Biogasverluste mit bis zu 15 Prozent beziffert.

Noch schwerer messbar sind die Lachgasemissionen. Sie entstehen hauptsächlich aus Gärresten und wenn die Felder mit Stickstoff (N) gedüngt werden. Mit dem Sauerstoff (O) aus der Luft produzieren Mikroben daraus N2O. Der Mais nimmt beim Heranwachsen nur einen Teil des üppigen Stickstoffangebots auf. Da sich große Felder schlecht ganzjährig komplett abdecken lassen, um ihre Lachgasemissionen zu messen, wird in Klimabilanzen ein Schätzwert benutzt: Etwa 1,25 Prozent des eingesetzten Stickstoffs werde in Lachgas umgewandelt. Vermutlich ist das jedoch viel zu niedrig bemessen.

Der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen veranschlagt neuerdings die Lachgasemissionen zwei- bis dreimal so hoch. Dann würden sie zur größten Klimabelastung, die Biogasanlagen regulär verursachen. Die Gesamtemissionen für diesen Biostrom liegen meist viel höher als jene für Ökostrom aus Wasser, Wind oder Sonne. Vergleicht man sie mit jenen moderner Kraftwerke, die fossiles Erdgas nutzen, dann wird klar: Strom aus Erdgas kann sogar klimaschonender sein als solcher aus Pflanzen.

Leider werden Biogasanlagen außerdem nicht als intelligente Lückenfüller für Ökostrom genutzt, sondern laufen stur rund um die Uhr. Dadurch verschwenden sie besonders im Sommer viel Wärme. Noch ein weiterer, wichtiger Aspekt wird in den Klimabilanzen für Biogas oft übersehen: die Änderung der Landnutzung.

Wird Weideland umgepflügt zum Maisacker, dann enthält der Boden zunächst viel Humus. Der darin gespeicherte Kohlenstoff verwandelt sich durch verstärkten Luftkontakt in CO2. Je nach Bodentyp können diese Emissionen so hoch sein, dass man jahrelang Bioenergiepflanzen darauf anbauen muss, um allein diesen Klimaeffekt auszugleichen.

Der Gesetzgeber hat das Problem der Vermaisung erkannt, doch das neue EEG schiebt ihr nur einen allzu schwachen Riegel vor. Dabei ließen sich die Umweltschäden einfach vermeiden. Man müsste sich bloß an ein sozialökologisches Grundprinzip halten, das gerade international zum Standard wird: Landwirtschaft soll zuerst der Ernährung von Menschen dienen, dann Futter für Tiere liefern, dann Rohstoffe wie Baumwolle und erst zuletzt Energie aus Bioabfällen und -reststoffen.

Das würde die staatlich geförderte Massenproduktion frischer Pflanzen für Biostrom verbieten. Es würde Vögeln wie dem Kiebitz und Gewässern wie der Steinau helfen. Und dem Klima auch.

Quelle: Zeit Online