PRESSE

Rinkel übt harsche Kritik

LAMPERTHEIM - (olo). Eigentlich hätte die Aufhebung eines Bebauungsplan-Aufstellungsbeschlusses keiner großen Diskussion bedurft. Doch da es um das umstrittene Projekt Biogasanlage ging, wollte Grünen-Fraktionschef Helmut Rinkel seine Meinung kundtun. Er erinnerte daran, dass die Lokale Agenda Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen das Projekt ablehnte – unter anderem wegen der Verwendung von Hühnertrockenkot, der möglichen „Vermaisung der Landschaft“ und der Zuwegung an einem Feldgehölz vorbei, in dem Vögel brüten. Selbst das Regierungspräsidium habe sich über den geplanten Standort außerhalb eines Gewerbegebiets gewundert. Angesichts dieser geballten Kritik hätten die Grünen gegen eine Offenlage des Bebauungsplans gestimmt. Projektinitiator Werner Hartmann habe geschrieben, es sei untragbar, der Lokalen Agenda eine „Plattform für die Verbreitung von Unwahrheiten“ zu bieten. Und Projektleiter Olaf Brandes (Firma Envitec) habe der Agendagruppe eine „gezielte Desinformation der Bevölkerung“ vorgeworfen. „Dümmer geht‘s nimmer“, kommentierte Rinkel diese Aussagen der Investoren. Der Grüne mahnte die Politiker, das Feld nicht Investoren zu überlassen, sondern Kompromisse zu suchen. Nach der Offenlage hätten sich die Investoren nicht mehr gemeldet. Offenbar nicht nur wegen des geänderten Erneuerbare-Energien-Gesetzes, sondern auch wegen Problemen bei der Maisbeschaffung. „Wir dürfen nicht auf Biegen und Brechen handeln, um alternative Energien zu fördern“, urteilte Rinkel.

Fritz Götz (SPD) betonte, das Projekt wäre sicher im Parlament nicht durchgewinkt worden – auch in seiner Fraktion habe es Kritik daran gegeben. Fritz Röhrenbeck (FDP) sagte, sein ehemaliger Fraktionskollege Helmut Hummel sei der Erste gewesen, der Bedenken geäußert habe. „Auch wir hatten Bedenken und verlangten Nachbesserung“, meinte Christdemokrat Dieter Meyer. Er fragte sich, ob die heutige Diskussion nur den Zuschauern geschuldet sei. Alle stimmten der Beschlussaufhebung zu.

© Lampertheimer Zeitung, 25.07.2014

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Rinkel begrüßt Aus des Biogas-Projekts

Von Oliver Lohmann

BAUAUSSCHUSS Bekommt Chemiestraße „gestrichelte Linien“?

LAMPERTHEIM - Die geplante Biogasanlage zwischen Lampertheim und Rosengarten wird es nicht geben. Die Investoren, zu denen der Lampertheimer Landwirt Werner Hartmann gehört, haben kein Interesse mehr an diesem Projekt. „Das liegt zum Teil an Entscheidungen auf Bundesebene“, sagte Bürgermeister Gottfried Störmer im Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss. Das Thema stand auf der Tagesordnung des Gremiums, weil der Bebauungsplan „Biogasanlage Lache“ wieder aufgehoben werden muss.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Helmut Rinkel fand es bedauerlich, dass sich der Investor so lange „geziert“ habe, eine Entscheidung über das Projekt zu treffen. Zugleich zeigte sich Rinkel froh, dass es nicht weiterverfolgt wird, es sei schlecht gelaufen. In der Stadtverordnetenversammlung, die am 23. Juli über die Aufhebung des Bebauungsplans entscheidet, möchte sich Rinkel nochmals ausführlich zu dem Thema äußern. Alle Ausschussmitglieder stimmten dem Ende des Projekts zu. Kritik hatte es in den letzten Jahren unter anderem wegen der Störung von brütenden Vögeln am Bahngleis gegeben.

Christdemokratin Lisa Galvagno fragte, ob sich die Verwaltung Gedanken über die neuerlichen „schlimmen Unfälle“ in der Wilhelmstraße mache. „Wir prüfen die Sachlage“, versprach Störmer. Günter Herweh (SPD) wollte wissen, wer die Ausbesserung des Risses in der Römerstraße (in Höhe Einmündung Kaiserstraße) bezahlen muss. „Die Straße wurde vor fünf Jahren erneuert. Die Gewährleistung ist damit abgelaufen. Die Reparatur geht zu Lasten der Stadt“, berichtete Baufachbereichsleiter Raimund Rinder.

Noch nicht von der Tagesordnung ist das Thema Radweg in der Chemiestraße. SPD und Grüne hatten einen Radweg beantragt, die Verwaltung jedoch wegen Platzmangels und hoher Kosten davon abgeraten. Ausschussvorsitzender Martin Weihmann (CDU) regte an, wenigstens „gestrichelte Linien“ auf die Fahrbahn aufzubringen. Der Bürgermeister versprach, auch dies zu prüfen.

© Lampertheimer Zeitung, 11.07.2014

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Rinkel: „Ohne Rücksicht auf Verluste“

Eine Erklärung zur Diskussion über die geplante Biogasanlage will Grünen-Fraktionschef Helmut Rinkel (Bild) in der nächsten Stadtverordnetenversammlung abgeben. Auf Anfrage des "Südhessen Morgen" sagt er, der Investor - CDU-Fraktionsmitglied und Landwirt Werner Hartmann - habe seinen Plan "ohne Rücksicht auf Verluste" vorangetrieben. Die Kommunalpolitik habe mehr oder weniger nur noch reagieren können.

Hingegen habe er sich eine kritischere Debatte in den Gremien gewünscht, meint Rinkel. Er kritisiert auch, dass Hartmann den Agenda-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen in seinem Wirken zu beschränken versucht habe. Insgesamt wünscht sich Rinkel in Ausschüssen und Stadtparlament eine ausgeprägtere "Debattenkultur". Seine Einschätzung: "Wir diskutieren zu wenig." urs

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 10.07.2014

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Kommunalpolitik: Gemeinsame Sitzung mit Hüttenfelder Ortsbeirat / Grüne kritisieren Debatte über Energieprojekt

Ausschuss legt Biogasanlage zu den Akten

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Lampertheim. Auf "Zuwachs für Hüttenfeld" hofft der Ortsvorsteher des Stadtteils. Karl-Heinz Berg (SPD) setzt denn auch große Erwartungen in das neue Baugebiet, das an der Viernheimer Straße entstehen soll. Dort, auf dem Grundstück der Baustofffirma Rhein, sollen rund 20 Wohnungen entstehen. Der Hüttenfelder Ortsbeirat und der Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss haben sich in einer gemeinsamen Sitzung einhellig für den Bebauungsplanentwurf der Verwaltung ausgesprochen.

Laut Kerstin Weinbach vom städtischen Bauamt sollen zwei Drittel des Grundstücks überbaut werden. Ein Drittel bleibt in Privatbesitz und wird als Grünfläche genutzt. Die Gebäude sollen - gemäß den Vorgaben für die Ortsrandbebauung - nicht höher als eineinhalbgeschossig werden. Dies auch deshalb, um die Höhe der geplanten Lärmschutzwand entlang der Viernheimer Straße zu begrenzen.

Geschlossene Fenster

Der Bebauungsplanentwurf enthält zahlreiche planungsrechtliche Festsetzungen. Diese wurden vom Hüttenfelder Ortsvorsteher beanstandet. Etwa die Tatsache, dass die Fenster der Wohnhäuser zur Seite des Sportplatzes hin nicht geöffnet werden könnten. Auf besorgte Äußerungen von Grünen-Fraktionsmitglied Carmen Kunz hin informierte Kerstin Weinbach, die Grünfläche werde wegen möglicher Schadstoffe noch begutachtet. Die Mitarbeiterin des Bauamts vermutet, dass im Boden vor allem Bauschutte lagern.

Weinbach erklärte auch, der Planentwurf gestatte auf der Grünfläche keine Bebauung, allenfalls einen Geräteschuppen oder ein Gartenhäuschen. Weinbach zufolge werden die Kosten für den Bau einer Lärmschutzwand oder einer möglichen Grünflächensanierung den allgemeinen Erschließungskosten zugerechnet. Sie fielen nicht postum den Bauherren zur Last.

Erster Stadtrat und Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft SEL, Jens Klingler, bestätigte gegenüber FDP-Fraktionsmitglied Fritz Röhrenbeck, die Stadt habe das Gelände der Firma Rhein ursprünglich erwerben wollen. Und zwar im Tausch mit Gelände im Lampertheimer Industrie- und Gewerbegebiet Lache. Doch darauf habe sich der Firmeninhaber nicht einlassen wollen.

Während in Hüttenfeld die Wohnbebauung prosperiert, wird das Konzept zum Bau einer Biogasanlage in Lampertheim zu den Akten gelegt. Der Magistrat hatte dafür plädiert, nachdem der Investor - der Lampertheimer Landwirt Werner Hartmann - auf Nachfrage kein Interesse mehr bekundet und dies mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) begründet habe.

Der Position des Magistrats ist nun auch der Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss nach kurzer Debatte einstimmig gefolgt. CDU-Fraktionsmitglied Lisa Galvagno äußerte die Vermutung, ihr Fraktionskollege Hartmann habe lediglich derzeit kein Interesse an der Weiterentwicklung seines Konzepts. Dies könne sich durchaus wieder ändern. Grünen-Fraktionschef Helmut Rinkel kündigte für die nächste Stadtverordnetenversammlung eine Stellungnahme zum Thema an.

Verkehrssicherheit überprüfen

Nach dem Unfall zwischen einer Radfahrerin und einer Autofahrerin an der Einmündung Falterweg - Wilhelmstraße sah Lisa Galvagno die Notwendigkeit gegeben, die Verkehrssicherheit in diesem Bereich zu überprüfen. Bürgermeister Gottfried Störmer sagte der Christdemokratin eine entsprechende Verwaltungsinitiative zu.

Investitionen in größerem Umfang dürften auf die Stadt in der Römerstraße zukommen. In Höhe der Einmündung in die Kaiserstraße hat SPD-Fraktionsmitglied Günther Herweh einen Riss über die gesamte Straßenbreite entdeckt. Der Schaden lässt sich laut Bauamtsleiter Raimund Rinder nicht mehr über die übliche Gewährleistung regeln.

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 10.07.2014

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Von André Heuwinkel

BIOGASANLAGE Magistrat zieht Beschluss zum Bebauungsplan zurück – Mitglieder der Initiativgruppe erleichtert

LAMPERTHEIM - Das Thema Biogasanlage hatte in den letzten zweieinhalb Jahren in Lampertheim polarisiert wie kaum ein zweites. Im März 2012 stellte die niedersächsische Firma EnviTec das anfangs ambitionierte Vorhaben im Rahmen einer Info-Veranstaltung vor: 2,7 Hektar wäre die Biogasanlage an der Wormser Landstraße („Lache“) groß gewesen, Leistung rund 1,2 Megawatt. Auch die Lampertheimer Umweltschützer waren von der Grundidee zunächst angetan: Die Stadt möchte verstärkt auf erneuerbare Energien setzen. Bis 2030 ist eigentlich eine „regenerative Vollversorgung“ angedacht.

Das speicherfähige Biogas erschien Beobachtern dabei als sinnvolle Alternative. Selbst, wenn eine Biogasanlage nur einen Bruchteil des Energiehungers der Spargelstadt hätte stillen können. Eine Initiativgruppe gründete sich, es folgten Infoveranstaltungen, Unterschriftenaktionen, Infostände auf dem Schillerplatz. Eine Biogasanlage im Nordwesten der Stadt? Damit wollten sie sich nicht abfinden. „Und viele andere Bürger auch nicht“, wie Andrea Hartkorn von der Initiativgruppe im Pressegespräch am Mittwoch betont.

Nun ist die „Vision Biogas“ im wahrsten Sinne des Wortes verpufft. Die Anlage kommt nicht. Gebaut hätten sie das niedersächsische Unternehmen EnviTec und Werner Hartmann, Inhaber von Agrarprodukte Hartmann. Anfang vergangener Woche hat der Magistrat entschieden, die Aufstellung eines Bebauungsplanes zurückzustellen. „Der Investor zeigte kein Interesse mehr“, bestätigt Bürgermeister Gottfried Störmer auf Nachfrage dieser Zeitung.

Ob auch der Kampf der Initiativgruppe seinen Anteil an der Entscheidung gehabt haben könnte? „Vielleicht“, mutmaßt Hartkorn, die auch Vorsitzende des NABU Lampertheim ist. Doch sie wolle sich nicht ins Reich der Spekulationen begeben. Die Entscheidung wird bald in den parlamentarischen Gremien beraten. 350 Einsprüche hätten Bürger bis Januar dieses Jahres bei der Stadtverwaltung eingereicht.

Die Skepsis der Naturschützer war zuletzt mannigfaltig: „Drohende Vermaisung“, „schlecht gewählter Standort“, eine „fragwürdige Zuwegung“ entlang des Bahndamms oder der Einsatz von Hühnertrockenkot im Substratgemisch – so lauteten nur einige der Vorwürfe, die die Initiativgruppe an der Sinnhaftigkeit des Unterfangens zweifeln ließen. Ein argumentatives Wettrüsten mit dem Investor wurde ausgetragen. Die Niedersachsen hatten die Kritikpunkte immer wieder zu entkräften versucht. Die geplante Anlage sein keineswegs zu industriell geprägt, sie sei eine de kleinsten ihrer Art. Auf die 350 Einsprüche der Bürger allerdings sei keine Reaktion erfolgt, sagen Vertreter der Initiativgruppe. „Auf der einen Seite freuen wir uns, denn der Einsatz hat sich gelohnt“, zeigt sich Hartkorn auch erleichtert. Andererseits zeigt sich bei ihr ein Fünkchen Unzufriedenheit. „Es wäre interessant gewesen, zu erfahren, ob die Bürger mit allen ihren Einwendungen auch Recht gehabt hätten.“ Ein weiterer Streit um die Argumente sei so entfallen.

Auch Mitstreiter Dieter Melchior findet es ein wenig „schade und enttäuschend“, denn er hätte sich eine weitere Auseinandersetzung mit dem Investor gewünscht. Ein „Tag zum Feiern“ sei die nicht realisierte Biogasanlage aber nicht, Melchior möchte besonnen bleiben. „Erst mal abwarten, was die Stadtverordnetenversammlung sagt.“

Wahrscheinlich haben auch die Reformpläne zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Landwirt Hartmann zeigte zuletzt Unverständnis für die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes. Aufgrund der geänderten Einspeisevergütungen seien Zweifel angebracht, ob die Energiewende wirklich gewollt sei.

Naturschützer Melchior wagt derweil eine Prognose: „Es wird für längere Zeit das letzte Mal gewesen sein, dass wir uns wegen Biogas zusammenfinden.“

© Lampertheimer Zeitung, Donnerstag, 12.06.2014

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Energiewirtschaft: Magistrat zieht formalen Bebauungsplan-Beschluss zurück / Stadtparlament muss abschließend entscheiden

Biogasanlage löst sich in Luft auf

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Lampertheim. Erst wurde heftig um sie gestritten. Jetzt hat sie sich in Luft aufgelöst: Eine Biogasanlage wollte Werner Hartmann auf einem Grundstück an der Wormser Landstraße errichten. Doch die Berliner Politik kam dem innovativen Landwirt in die Quere. Daraufhin hat der Magistrat in seiner Sitzung am Montag entschieden, den Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans rückgängig zu machen. Darüber müssen nun die parlamentarischen Gremien beraten.

Bürgermeister Gottfried Störmer bestätigte gestern auf Anfrage des "Südhessen Morgen", der Gemeindevorstand habe mangels Interesse des Investors an einer Realisierung seines Projekts entschieden, den formalen Beschluss durch die Stadtverordnetenversammlung wieder aufzuheben.

Werner Hartmann, der auch für die CDU-Fraktion im Stadtparlament sitzt sowie der Mittelstandsvereinigung des Kreises Bergstraße vorsteht, unterstrich im Gespräch mit dieser Zeitung, die aktuelle Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) berge so viele Ungereimtheiten und Auflagen, dass der wirtschaftliche Betrieb einer Biogasanlage immer fragwürdiger werde. Zwar hat Hartmann seine Pläne noch nicht endgültig in der Schublade begraben. Doch seine Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines solchen Projekts sind in den vergangenen Jahren Monat für Monat gewachsen.

Hartmann: "Scheinheilige Politik"

Ihm stelle sich angesichts der Politik in Berlin, aber auch mit Blick auf die Widerstände in Lampertheim gegen sein Projekt die Frage, "ob die Energiewende überhaupt gewollt ist". Biogas sei die einzige Möglichkeit, um Energie zu speichern und damit auch bei Bedarf abzurufen, im Unterschied zu Sonne- oder Windenergie. Die Auseinandersetzungen in Lampertheim, die Hartmann besonders mit Naturschützern führen musste, sind aus seiner Sicht "Nebenkriegsschauplätze". Wirklich destruktiv für seine Pläne hätten sich die politischen Entscheidungen in Berlin ausgewirkt. Eine "scheinheilige Politik", wie Hartmann findet. In den vergangenen drei Jahren, seit sich der Landwirt mit der Planung einer Biogasanlage befasst hat, hat er beträchtliche Vorleistungen erbracht. Hartmann spricht von einer hohen sechsstelligen Summe.

NABU: "Erleichtert"

"Erst einmal erleichtert" reagierte gestern die Vorsitzende des Lampertheimer Naturschutzbundes (NABU), Andrea Hartkorn, auf die Nachricht. Nun könne, nach vielen Monaten der Ungewissheit, das Kapitel "Biogasanlage" geschlossen werden. Die Naturschützer hatten stets große Bedenken hinsichtlich des Standorts einer solchen Anlage geäußert. Auch die Verkehrsführung für An- und Abtransporte schien ihnen nicht optimal gelöst.

Die Ankündigung, dass die Biomasse mit Hühnertrockenkot versetzt werden solle, der von weither hätte angeliefert werden müssen, hat die Bedenken verstärkt. Ferner haben sich die Naturschützer um das Heckenbiotop entlang des Zufahrtsweges gesorgt und die Zukunft geschützter Tiere wie dem Rebhuhn in dunklen Farben gemalt.

Auch aus landwirtschaftlicher Perspektive betrachtet wurde die Biogasanlage kritisch bewertet. Häufig war von einer Gefahr der "Vermaisung" die Rede, um das Biomaterial entsprechend anzureichern. NABU-Vorsitzende Hartkorn hält es zudem für fraglich, dass Landwirt Hartmann genügend Verträge mit Landwirten hätte abschließen können, um Biomasse geliefert zu bekommen. Viele Landwirte rund um Lampertheim seien bereits an die Bürstädter Biogasanlage gebunden. Und in Heppenheim werde der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) demnächst eine Biogasanlage in Betrieb nehmen. Womöglich hätte Hartmann, so die NABU-Chefin, das Material auf langen Wegen transportieren müssen, was den ökologischen Wert der Anlage geschmälert hätte.

Die Naturschützer seien nicht per se gegen eine Biogasanlage, meint Andrea Hartkorn. "Es kommt halt immer drauf an, wie man es macht", fügt sie hinzu. Deshalb gelte: "Ja zu erneuerbaren Energien - aber nicht um jeden Preis."

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 04.06.2014

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Noch nicht in trockenen Tüchern

ENERGIE Investor Werner Hartmann hält an Biogasanlage fest, Bundesregierung könnte Projekt aber unrentabel machen

LAMPERTHEIM - (ulm). Der Bebauungsplan Biogasanlage Lache war bis zum 24. Januar offengelegt – bei der Stadtverwaltung gingen zahlreiche Anregungen ein. Unabhängig davon ist Projektinitiator Werner Hartmann nach wie vor der Überzeugung, dass eine Biogasanlage in Lampertheim sinnvoll ist.

„Ich halte grundsätzlich an der Planung fest“, sagt Hartmann gegenüber unserer Zeitung. „Es sind im Rahmen der Offenlage vielleicht 200 vorgefertigte Formblätter ausgefüllt worden, aber das ist im Vergleich zur Einwohnerzahl Lampertheims nicht viel“, urteilt der Landwirt. Er wisse von keiner schriftlichen Eingabe, die eine Gefährlichkeit von Standort oder Anlage habe begründen können.

„Es wird auch keine Vermaisung der Region geben“, versichert Hartmann. „Wir gehen hier vom Gemüse nicht ab, es ist kein Platz für Mais, wir bauen Spargel und Erdbeeren an.“ Im Übrigen habe es vor 30 Jahren hier einen intensiveren Maisanbau gegeben als heute. Damals sei der Mais für Futtermittel und die Herstellung von Stärke benutzt worden. Stattdessen könnten Zwischenfrüchte angebaut und Gemüseabfälle sinnvoll energetisch verwertet werden. „Es werden in Deutschland viele Nährstoffe importiert. Mit dem Endprodukt von Biogasanlagen kann auf einen Teil dieser Importe verzichtet werden“, urteilt der Landwirt und Unternehmer.

In trockenen Tüchern ist die Biogasanlage jedoch noch nicht. Zum einen muss sie von der Kommunalpolitik gutgeheißen werden. Zum anderen beobachtet Hartmann derzeit genau, was in Berlin diskutiert wird. Denn sollte die Vergütung von erneuerbaren Energien weiter zurückgeschraubt werden, könnte das Projekt unrentabel werden. Hartmann hofft, dass die Politiker erkennen, dass Biogas die einzige speicherbare und grundlastfähige erneuerbare Energie ist und daher anders als Solar- oder Windenergie behandelt werden sollte. „Eine Gleichstellung der Energieformen könnte ich nicht nachvollziehen“, sagt Hartmann. Seine Meinung habe er auch deutlich gegenüber dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Meister zum Ausdruck gebracht.

Laut Stefan Nickel, Pressesprecher der Stadtverwaltung, sind sogar rund 350 Einwendungen bei der Behörde eingegangen – überwiegend Formblätter, die die Intitiativgruppe gegen die Biogasanlage zur Verfügung gestellt hatte. „Wir prüfen die Einwendungen und geben sie dann an die vom Investor beauftragte Firma weiter. Danach erhalten wir deren Stellungnahmen und geben diese in die politischen Gremien der Stadt“, erläutert Nickel das weitere Prozedere. Eine Entscheidung über die Berücksichtigung oder Ablehnung der Einwendungen falle daher frühestens im Juli dieses Jahres, schätzt Nickel.

Lampertheimer Zeitung / 30.01.2014


Energieprojekt:

320 Einsprüche gegen Biogasanlage

Lampertheim. Massive Einsprüche hat das Vorhaben von Landwirt Werner Hartmann, in der Lache eine Biogasanlage zu bauen, nach sich gezogen. Der Pressesprecher der Lampertheimer Stadtverwaltung, Stefan Nickel, erklärte auf Anfrage, die Summe der Einsprüche sei zum gestrigen Fristende auf rund 320 gestiegen. Allein bis Freitagmittag seien noch einmal rund 70 Einsprüche eingegangen. Wie berichtet, hat die Initiativgruppe "Bio"gasanlage Lampertheim knapp 120 Voten gesammelt. Die Vertreter der Lampertheimer Parteien äußerten sich unterdessen übereinstimmend skeptisch, was den weiteren Verlauf der Planungen betrifft ("SHM" vom 24. Januar). Auch Investor Hartmann hat seine weiteren Pläne erst einmal unter Vorbehalt gestellt. urs

© Südhessen Morgen, Samstag, 25.01.2014


Biogasanlage: Selbst Investor Werner Hartmann zeigt sich mittlerweile verunsichert

Die Skepsis nimmt zu

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Lampertheim. Rund 120 Einsprüche hat die geplante Biogasanlage provoziert ("SHM" vom 23. Januar). Damit sieht sich das Projekt erheblichen Widerständen ausgesetzt. Die aktuelle Lage bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Entscheidungsprozesse der Kommunalpolitiker - und die des Investors.

Wobei der Lampertheimer Landwirt Werner Hartmann, der die Biogasanlage vor den Toren seines Hofes in der Lache bauen möchte, vor allem Probleme mit den Auseinandersetzungen auf Bundesebene hat. In der Diskussion über eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) stelle sich für ihn die Frage: "Wo wollen wir überhaupt hin?"

"Keine Planungssicherheit"

Die Politik, klagt Hartmann, wolle die Energiewende vollziehen. Gleichzeitig würden Kohlekraftwerke subventioniert. Ob ein Projekt wie eine Biogasanlage in absehbarer Zeit überhaupt noch förderfähig sein werde, stellt sich für den Landwirt und CDU-Politiker derzeit als zweifelhaft dar. "Wir haben keine Planungssicherheit", kritisiert der 64-Jährige. Er hat nun beschlossen, so lange kein Geld mehr in dieses Projekt zu investieren, bis nicht völlig sicher ist, ob er die Anlage unter vertretbaren wirtschaftlichen Bedingungen bauen und betreiben könne.

Hartmanns Fraktionskollege Dieter Meyer erklärte gestern auf Anfrage, die CDU unterstütze das Projekt "vom Grundsatz her" nach wie vor. Allerdings komme es nun darauf an, welche Auswirkungen die Einsprüche auf das weitere Planverfahren haben werden. "Wenn es neue Erkenntnisse gibt", so Meyer, "werden wir die auch neu bewerten müssen". Dass Werner Hartmann für die CDU im Stadtparlament sitzt, habe die Fraktion zwar von vornherein positiv gestimmt. "Ganz frei ist man da natürlich nicht", räumt Meyer ein. Dennoch hindere die Parteifreundschaft nicht daran, womöglich zu anderen Schlüssen zu kommen.

Für die rot-grüne Koalition warf das Investitionsvorhaben des Landwirts von Beginn an viele offene Fragen auf. Dies betraf Aspekte wie die Zufahrt zur Anlage, die Verwendung von Hühnertrockenkot oder den Aspekt einer möglichen Vermaisung. Während die SPD bereit war, sich mit einer Entscheidung Zeit zu lassen, bis die Einspruchsphase beendet sein würde, hatten die Grünen die Klärung dieser Fragen bereits im Vorfeld verlangt.

SPD-Parteichef Jens Klingler erklärte vor diesem Hintergrund gestern, die Fragen blieben mit Blick auf die hohe Zahl an Einsprüchen auch für die Sozialdemokraten offen. Der Investor müsse nunmehr gute Argumente liefern, wolle er die Kommunalpolitiker von seinem Vorhaben überzeugen. "Ich habe aber nicht das Gefühl", bezweifelt Klingler im Gespräch mit dieser Zeitung, "dass man hier die Zeichen der Zeit erkannt hat".

Diese Einschätzung teilt auch Grünen-Sprecher Jürgen Meyer. Die Skepsis sei in der Fraktion deshalb eher gestiegen. Zumal der Investor wenig dazu beigetragen habe, die Zweifel zu zerstreuen. "Sehr vertrauensbildend war das nicht", findet Meyer. Und er beteuert: "Wir wollen den Energiewandel - aber nicht um jeden Preis."

Risiken abwägen

Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP, Helmut Hummel, äußert sich kritisch. Die meisten Einwände seien nachvollziehbar und berechtigt. Werner Hartmann müsse nun die Risiken einer solchen Anlage abwägen, zumal es in Bürstadt, Lorsch und Heppenheim bereits Anlagen beziehungsweise Planungen hierfür gebe. "Ich weiß nicht", fragt sich Hummel, "wo Hartmann seine Biomasse herkriegen will".

Besonders sorgt sich Hummel um die Beschaffenheit der Gärreste, die auf die Äcker ausgebracht werden sollen. Hier gelte es sicherzustellen, dass über den Hühnertrockenkot von Tieren aus der Massentierhaltung keine Rückstände von Antibiotika auf die Felder kämen. Zwar stünden die Liberalen grundsätzlich für Wirtschafts- und Innovationsfreudigkeit. Dennoch müsse auch in diesem Fall eine Risiko-Abschätzung den Ausschlag geben. Der Liberale räumt ein, dass er im Verlauf des bisherigen Diskussionsprozesses immer skeptischer geworden sei.

© Südhessen Morgen, Freitag, 24.01.2014


Energie: Initiativgruppe sammelt 118 Einspruchsformulare gegen die geplante Biogasanlage in der Lache / Hoffnung, Stadtverordnete noch umzustimmen

„Die Meinung geht in eine bestimmte Richtung“

Von unserem Redaktionsmitglied Isabell Boger

Lampertheim. Am Mittwochnachmittag wurde gezählt, dann stand fest: Bisher sind 118 Einspruchsformulare bei der Initiativgruppe "Bio"gasanlage Lampertheim abgegeben worden. "Ich denke das zeigt: Die Meinung der Wähler geht in eine bestimmte Richtung", sagt Mitglied Iris Henkelmann kurz vor der Übergabe an die Stadtverwaltung.

Was sie meint ist: Die Bedenken der Bürger gegenüber der geplanten Biogasanlage nördlich der L 3110 zwischen Lampertheim und Rosengarten sind groß. Schließlich sind - unabhängig von der Initiativgruppe - "bisher schon viele Einsprüche bei uns eingegangen", wie Bürgermeister Gottfried Störmer gestern erklärte. Noch bis Freitag können weitere hinzukommen. Dann nämlich endet die Offenlage des Bebauungsplans.

Geht es nach der Initiativgruppe, sollten möglichst viele Bürger diese Chance nutzen. "Nicht nur, weil bei späteren Problemen nur der klagen kann, der jetzt Einspruch eingelegt hat", wie Henkelmann erklärt. Der Gruppe fallen noch mindestens drei andere Gründe gegen das von Landwirt Werner Hartmann und der Firma Envitec geplante Vorhaben ein:

Hühnertrockenkot: Der für die Vergärung genutzte Hühnertrockenkot werde "von Niedersachsen durch die halbe Republik hierher gekarrt", wie Eva Größler es ausdrückt. Das sei nicht nur klimatechnisch problematisch. "Damit fördert man auch die Massentierhaltung", erklärt Sprecherin Andrea Hartkorn. Das Antibiotikum, das den Hühnern gefüttert werde, finde sich auch im Kot wieder - und werde über die Restprodukte der Biogasanlage, die als Düngemittel verwendet werden, auf den Felder ausgebracht.

Anbaufläche: Weil es in Bürstadt bereits eine Biogasanlage gebe, sei fraglich, ob es genügend Anbaufläche für Mais und Getreide in der näheren Umgebung gebe. "Wenn der Anfahrtsweg fünf Kilometer übersteigt, ist es schon nicht mehr klimaneutral", sagt Henkelmann. Außerdem ist laut Initiativgruppe zu befürchten, dass in der Region zu viel Mais angebaut werde. "Das schadet der Artenvielfalt bei den Tieren", findet Hartkorn. Zudem müsse man sich generell fragen, ob man Nahrungsmittel zur Energieerzeugung nutzen dürfe.

Standort: Laut aktuellen Plänen führt zumindest einer der Zufahrtswege an einer 700 Meter langen Hecke vorbei. "Dort wurden 24 Vogelarten, darunter 22 Brutvögel nachgewiesen", erklärt Dieter Melchior. Solche Hecken, weiß Naturschützerin Hartkorn, gebe es hier kaum mehr. Schon deshalb sei sie schützenswert.

Ihre Einwände - die denen von Regierungspräsidium und Naturschutzbehörden ähneln - hat die Initiativgruppe schon vor der Offenlegung eingebracht. Bei den Stadtverordneten habe das aber scheinbar wenig bewirkt, sagt Größler. Nun hofft die Gruppe, dass die Abgeordneten bei ihrer nächsten Sitzung die Argumente noch einmal gegeneinander abwägen. Als Bürgervertreter, sagt Henkelmann, sollten sie schließlich den Willen der Bürger vertreten. Auch deshalb steige der Druck, je mehr Einsprüche es gebe.

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 23.01.2014


Initiativgruppe ruft zu Widerspruch auf

LAMPERTHEIM – Die „Initiativgruppe Lampertheim gegen eine agrar-industrielle Anlage“ möchte die Bürger und Bürgerinnen Lampertheims darauf hinweisen, dass sie noch bis zum 24. Januar Einsprüche gegen den Entwurf des Bebauungs- und Flächennutzungsplans zur Biogasanlage geltend machen können.

Die Initiativgruppe hat hierzu ein Widerspruchsformular ins Netz gestellt, dass unter der Internetadresse  www.initiativgruppe-lampertheim.de als pdf-Datei herunter geladen werden kann. Dieses ist an die Stadtverwaltung per Fax unter 06206/935-300 oder per E-Mail unter  poststelle@lampertheim.de zu senden oder kann dort abgegeben werden.

Hintergrund seitens der Initiativgruppe wären Umweltbelastungen, die durch zusätzlichen LKW- bzw. Schwerverkehr, Abgase, Lärm- und Geruchsbelästigungen entstehen würden. Außerdem gebe es kein plausibles Konzept für die Verbringung des Hühnertrockenkots auf den Äckern. Mit diesem werden u. a. Biogasanlagen „gefüttert“. Es besteht die Gefahr, dass der Hühnertrockenkot, der aus der Massentierhaltung stamme, gesundheitsgefährdende Keime enthält, die multiresistent gegen Antibiotika sind. Lampertheim würde dabei zur pharmazeutischen Sondermüll-Deponie verkommen.

Ökologisch bedenklich ist auch Energiemais, der als Substrat überwiegend in die Anlage eingefahren werden soll. Er hätte einen hohen Dünger- und Pestizideinsatz zur Folge, was sich nachteilig auf den Naturhaushalt sowie das Landschaftsbild auswirken würde. Betroffen wäre durch den entstehenden LKW-Anlieferverkehr auch eine sich im Planungsgebiet befindliche 700 m lange Vogelhecke. Sie dient vielen Vogelarten als Brut- und Rückzugsstätte. Da der künftige Verkehr aufgrund eines fehlenden Saumes direkt an der Hecke vorbeiführen würde, wäre zudem der Weg auch eine sichere Todesfalle für Kleinsäuger wie Hase, Igel, Mauswiesel, Reptilien und Käfer. Dies würde zu einem weiteren Verlust der Artenvielfalt führen.

Vermisst werden von der Initiativgruppe auch schlüssige Konzepte, etwa was die Planung in einem Havariefall mit Gärsubstrat und Gülle (Grundwassergefährdung) betreffe. Unklar seien auch die Haftungsübernahme-Garantien für derartige Fälle.

16.01.2014/TIP/ zg


Von Oliver Lohmann

ENERGIE Gegner der geplanten Biogasanlage rufen zu kritischen Stellungnahmen auf

LAMPERTHEIM - Die Gegner der geplanten Biogasanlage zwischen Lampertheim und Rosengarten haben sich schon vor Monaten in einer Initiativgruppe zusammengefunden. Nun rufen sie dazu auf, im Rahmen der Offenlegung des Bebauungsplans Biogasanlage Lache Stellungnahmen abzugeben. Sie üben weiterhin harsche Kritik an dem Vorhaben – die Planung sei bislang kaum geändert worden.

Bei einem Redaktionsgespräch betonen sechs Mitglieder der Initiativgruppe: Jeder kann sich im Rahmen der Offenlegung über das Projekt äußern und sogar Widerspruch einlegen. Das Sextett versichert am Dienstag auch, es seien schon mehrere Dutzend kritische Stellungnahmen gesammelt worden, die bis 24. Januar bei der Stadtverwaltung abgegeben werden sollen. Es steht sogar ein Formular dafür zur Verfügung, das man sich aus dem Internet herunterladen kann. Auf diesem Formular stehen bereits 19 Argumente gegen die Biogasanlage zum Ankreuzen bereit, man kann aber weitere Begründungen hinzufügen. Anlagengegnerin Iris Henkelmann fügt hinzu: Man müsse als Betroffener Einspruch erheben, wenn man sich den Rechtsweg offen halten wolle. Und der Rechtsweg soll auch bestritten werden, wenn das Stadtparlament grünes Licht für das Projekt gibt. Klagen würden möglicherweise Privatpersonen und Verbände. Aber erst einmal wollen die Aktivisten politischen Druck machen – in der Hoffnung, dass die Stadtverordneten von vielen Einsprüchen bei der Offenlegung und Argumenten beeindruckt sind.

Argumente haben die Biogasgegner in der Tat viele. Ein Hauptargument ist die Bedrohung des Lebensraums für viele brütende Vögel. Diese würden durch zahlreiche Transporte aus den Hecken entlang der Bahnlinie vertrieben. Mindestens drei der 22 von einem Ornithologen festgestellten Vogelarten stünden auf der Roten Liste in Hessen. Der geplante Ausgleich bringe erst einmal nichts, denn es dauere fünf bis acht Jahre, bis neue Hecken an anderer Stelle gewachsen seien. Und die Ausgleichsmaßnahme erfolge an einem Waldstück, das von einer ausgeräumten Landschaft umgeben sei.

Die Biogasgegner kritisieren auch die Verwendung von Mais und Hühnertrockenkot in der geplanten Anlage. Investor Werner Hartmann spreche gar nicht von Mais, habe in einem Artikel unserer Zeitung vor allem auf Zwiebel- und Buschbohnenabfälle verwiesen – doch diese Reststoffe machten nur einen kleinen Teil des Gärsubstrats aus. Doch für die Anlage brauche man eine Maisanbaufläche von 500 Hektar. So viel Fläche besitze der Lampertheimer Landwirt nicht, sagen die Anlagengegner. Und wenn er zwei Früchte auf den Feldern anbaue, dann habe der Boden keine Zeit, um sich zu regenerieren. Werde aber viel gedüngt, sei das schlecht für das Grundwasser. „Durch den Hühnertrockenkot wird die Massentierhaltung gefördert, und es gelangen multiresistente Keime auf Lampertheimer Felder“, gibt NABU-Vorsitzende Andrea Hartkorn zu bedenken, denn die Reststoffe der Biogasanlage werden als Dünger vor Ort verwendet.

Für die Anlagengegner ist das Projekt weder klimaneutral noch nachhaltig. „Auch bei der Atomkraft hat man früher nicht die Folgen gesehen, so ist es jetzt auch bei Biogasanlagen“, urteilt Hartkorn. Der Gesetzgeber habe noch keine Regelungen für diese Anlagen getroffen.

Gleichwohl betonen die Gegner des Lampertheimer Projekts, sie seien nicht generell gegen Biogasanlagen. Wenn ein Landwirt bei seinem Hof eine kleine Anlage errichte, um die bei ihm anfallende Gülle zu verwerten, dann sei das in Ordnung. Positiv sei auch, wenn damit eine Nahwärmeversorgung einhergehe. Bei dem Projekt in Lampertheim handele es sich aber um eine industrielle Anlage, der man nichts Positives abgewinnen könne. Zumal sie noch außerhalb des Gewerbegebiets angesiedelt werden soll. Hier sei im vergangenen Sommer nach dem vielen Regen sogar ein See gewesen.

Die Anlagengegner setzen energetisch auf mehr Wärmedämmung, effiziente Nutzung und Speicherung von Energie. Sei dies gegeben, dann müsse gar nicht so viel Energie erzeugt werden.

Lampertheimer Zeitung / 08.01.2014

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Biogasanlage: Ökopartei bekräftigt ihre Bedenken hinsichtlich der geplanten Anfahrtswege / Landwirt Rigo Strauß befürchtet mehr Verkehr und Wegfall von Ackerfläche

Grüne überzeugt: So darf es nicht kommen

Von unserem Redaktionsmitglied Isabell Boger

Lampertheim. Wie es sich für Grüne gehört, kommen Fraktionsvorsitzender Helmut Rinkel, Stadtrat Jürgen Meyer, Stadtverordneter Frank Hege und Dieter Melchior mit dem Fahrrad zu dem Ort, an dem bald eine Biogasanlage stehen soll.

Was sie im Rahmen ihrer Sommertour noch mal bekräftigen wollen: Die Grünen finden es gut, wenn Biogasanlagen gebaut werden. Ein anderer Standort - zum Beispiel im Gewerbegebiet Lache - wäre ihnen lieber gewesen. Aber sie können verstehen, dass Landwirt Werner Hartmann aus Kostengründen auf eigenem Grund und Boden bauen will. "Dass die Anlieferung mit Lkw an einer ökologisch wertvollen Hecke vorbei erfolgen soll, können wir aber nicht akzeptieren", sagt Rinkel und meint damit den Weg, der vom Gewerbegebiet entlang der Bahngleise zum geplanten Standort führt.

Natürlich müsse man immer Kompromisse eingehen, aber "diesen Preis sind wir nicht bereit zu bezahlen". Vor allem, weil es nach Ansicht der Grünen eine ganz einfache Lösung gebe: Aller Lieferverkehr zur Biogasanlage - nicht nur der landwirtschaftliche - könnte über die direkte Anbindung zur L3110 und damit vorbei am Hof von Rigo Strauß erfolgen. "Diese Strecke ist wesentlich kürzer und naturschonender", sagt Dieter Melchior, Grünen-Mitglied und BUND-Sprecher.

"Weitere Erschließung sinnlos"

Strauß erklärt auf Anfrage des "SHM" hingegen, dass er für sinnlos hält, den geschotterten, an seinem Hof vorbeiführenden Weg zu teeren, während der Weg entlang der Bahngleise bereits asphaltiert ist. Strauß hat Angst, dass durch die vollständige Erschließung des Schotterwegs weitere Ackerflächen wegfallen könnten - "und ist der Weg erst einmal da, wird er auch genutzt". Gegen die Biogasanlage an sich habe er nichts. "Die gehören zur Landwirtschaft dazu, und wenn jemand sich für eine solche Investition entscheidet, kann man ihm das nicht verwehren", sagt Strauß.

Außerdem, so findet er, könne sich keiner sicher sein, dass die Vögel, die in der Hecke nisten (wir berichteten), sich von "einigen Fahrzeugen mehr" vertreiben lassen würden. Das befürchten die Grünen jedoch. "Und auch wenn Ausweichflächen geschaffen werden - erklären Sie der Nachtigall oder dem Rebhuhn mal, dass sie nun dort nisten sollen", sagt Melchior und benennt noch ein ganz anderes Problem: "In Lampertheim gibt es nur noch ganz wenige solcher Hecken und Biotope." Auch, weil sich die Stadt lange gegen die Neuschaffung solcher Flächen gewehrt habe.

Jetzt könne man das leider nicht mehr ändern, sagt Stadtrat Jürgen Meyer. Ähnlich wie bei der Planoffenlegung für die Biogasanlage, schmunzelt er. Wirklich zum Lachen finden er und seine Parteifreunde das aber nicht: "Wir als Grüne hätten uns einfach gewünscht, dass die Stadt vorab klare Position bezieht und nicht erst handelt, wenn die Einsprüche da sind", ergänzt Rinkel.

Vor allem, weil das Regierungspräsidium und der Kreis Bergstraße schon vorab Einwände geltend gemacht hätten (wir berichteten). Außerdem, sind die Grünen überzeugt, werde jeder ihre Position verstehen, der die gesamten Unterlagen ordentlich gelesen habe, sagt Rinkel und deutet auf einen dicken Ordner.

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 17.07.2013  


Eine Frage des Preises

17.07.2013 - LAMPERTHEIM

Von André Heuwinkel

BIOGAS Lampertheimer Grüne sind über Standortkonzept unglücklich

Eigentlich ist eine Offenlage ja eine feine Sache: Für einen Monat liegt ein Bebauungsplanentwurf öffentlich aus, jedermann kann dazu Stellung nehmen oder Änderungswünsche äußern. Das sehen auch die Lampertheimer Grünen tendenziell auch so, fragen sich aber im Fall der geplanten Biogasanlage aber: „Warum jetzt in die Offenlage, wenn es offenkundig Mängel gibt?“, meint Fraktionsvorsitzender Helmut Rinkel mehr rhetorisch. Die Stadt Lampertheim habe die Verpflichtung zur eigenen Position.

Seit dem Bekanntwerden, dass nahe der Wormser Landstraße eine Biogasanlage gebaut werden soll, regt sich von verschiedenen Seiten Widerstand. Mal sei die Anlage „zu industriell“ geprägt, wie die „Initiativgruppe Lampertheim“ moniert. Andere Stimmen – zum Teil auch von landwirtschaftlicher Seite – befürchteten das Aufkommen von Botulismus (die LZ berichtete), einer Lebensmittelvergiftung, die laut Skeptiker der Biogasanlage mit dem Einsatz von Hühnertrockenkot zusammenhängen könnte, wenn die Gärreste auf den Feldern ausgedüngt werden. Andere wiederum befürchteten eine „Vermaisung“ für Lampertheim – obgleich der Investor an mehreren Stellen versichert hatte, dass der Anteil von Mais in dem Substratgemisch nach oben hin gedeckelt sei (zuletzt 60 Prozent).

Der Investor, das ist in diesem Fall die Firma EnviTec Biogas AG, die zusammen mit Werner Hartmann, Inhaber von Agrarprodukte Hartmann GmbH & Co. KG, die Anlage realisieren möchte. „Natürlich sind wir für die Biogasanlage. Die Frage ist nur, um welchen Preis dies geschieht“, sagt Jürgen Meyer, der am Montag gemeinsam mit Parteikollegen Rinkel, Dieter Melchior und Frank Hege zum Vor-Ort-Termin gekommen ist. Klar sei, dass jede Energiegewinnungsform mit negativen Effekten behaftet sei. Man müsse eben Kompromisse eingehen. „Das tun wir schon, dann kann der Betreiber auch kompromissbereit sein“, findet der Fraktionschef. Mit einem dicken Ordner bewaffnet, blickt er dabei auf das geplante Areal der Biogasanlage, die laut EnviTec einmal 2,7 Hektar umfassen werde. Leistung: 1,2 Megawatt. Der Investor glaubte im März 2012 noch an eine Inbetriebnahme um Anfang 2014 herum, wenn es gut läuft. Die Umsetzung wird wohl etwas länger dauern.

Behörden äußern Bedenken

Die Bedenken hat Rinkel in jenem wuchtigen Ordner gesammelt, in dem er gerade eine Stellungnahme des Regierungspräsidiums sucht. Das RP und die Untere Naturschutzbehörde hätten sich zuletzt ebenfalls skeptisch geäußert. Warum die Biogasanlage nicht mehr zum Gewerbegebiet positioniert? Auch die Zuwegung entlang des Bahndammes sei aus Naturschutzgründen nicht besonders sinnvoll. Melchior macht sich schon seit längeren für eine andere Transportroute stark, die Alternativen sei aber nicht genügend gewürdigt worden. Die Feldhecke entlang der Bahngleise beherberge 24 Vogelarten, „eine Wildruhezone“, bedeutet Melchior. Buchfink, Stieglitz und Co. haben hier ihren Lebensraum. Sogar eine Nachtigall habe hier gebrütet. „Aus Sicht eines von EnviTec bestellten Gutachters würde es sich aber um anspruchslose Vögel halten.“

Weiterer Kritikpunkt – neben Standort und der Gefährdung der Fauna – ist für die Grünen die Anlieferung des Hühnertrockenkots. Aus Sachsen-Anhalt soll dieser angeliefert werden. „Für die Öko-Bilanz kein besonders gutes Zeugnis“, ist sich Rinkel sicher. Ergo wollen die Grünen weiter auf die „Mängel am Projekt“ aufmerksam machen. Vielleicht wird über den „Preis“ ja doch noch etwas verhandelt.


„Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch”

Stadtverordnetenversammlung beschließt Beteiligung der Öffentlichkeit und Offenlegung des Bebauungsplanentwurfes Biogasanlage Lache

LAMPERTHEIM - Die geplante Biogasanlage Lache bewegt weiter die Gemüter - auch in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag.
Andrea Hartkorn sowie weitere Mitglieder des Bündnisses gegen die Biogasanlage verfolgten interessiert als Zuhörer die Diskussion rund um die Entscheidung zur Beteiligung der Öffentlichkeit und der Offenlegung des Bebauungsplanentwurfes in Sachen Biogasanlage Lache.
Helmut Hummel (FDP) betonte die Bedeutung der verkehrlichen Belastung entlang der Bahnlinie und sprach sich für eine echte Entlastungsstrecke aus. "Heute entscheiden wir aber nur über die Offenlegung der Entwürfe für die Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans. Damit sind die Bürger und Institutionen gefragt, ihre Bedenken einzubringen. Es wäre fatal, wenn wir uns von vornherein aus ideologischen Betrachtungen heraus diese Möglichkeit nehmen", richtete Hummel das Wort an die Grünen. ”Warum wollen Sie die Öffentlichkeit ausschließen, sich zu diesem Projekt zu äußern? Entschieden wird doch erst, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. Daher stimmen wir zu."
Helmut Rinkel (Bündnis 90 / Die Grünen) sieht nach wie vor den Standort der Anlage kritisch, auch mit Blick auf den Hochwasserschutz. "Wir haben in den sauren Apfel gebissen und diesem zugestimmt, dafür erwarten wir aber auch ein behutsames Vorgehen bei anderen Punkten. Bei der jetzigen Planung lägen alle Vorteile beim Investor, die Nachteile und die "Kollateralschäden" hingegen bei der Allgemeinheit. "Die Bedenken werden grundlos abgelehnt, wir fordern daher erstens, dass die Straße entlang des Bahndamms gestrichen wird, um die dortige Hecke, die das einzige Gehölz in der gesamten Gegend ist, zu bewahren und zu schützen. Zweitens sollen die Alternativen zur Erschließung neu bewertet werden und auch weitere Kompromisse sollen geprüft werden, so beispielsweise die Alternative zu Hühnertrockenkot, der aus fernen Bundesländern angefahren wird. Dies kann ökologisch nicht sinnvoll sein. Unter Berücksichtigung all dieser Punkte lehnen wir die Offenlegung ab." Denn "wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch" schloss er mit Blick auf die Hecke, die von den Gegnern der Biogasanlage als besonders schützenswert betrachtet wird.
Edwin Stöwesand (CDU) zeigte sich verwundert, dass dieses Thema mit Beratung auf der Tagesordnung stand. "Die Grünen wollen kein Kernkraftwerk, aber sie wollen auch keine Alternativen. "Wir haben hier einen Investor, aber wenn sie so weiter diskutieren wird er abspringen. Heute geht es lediglich im eine Offenlegung, um zu klären, ob die Biogasanlage in dieser Form so machbar ist oder nicht. Daher stimmen wir zu."
Auch die SPD stimmte der Offenlegung zu. Denn nur während diese bekäme man verlässliche Aussagen von den Behören.
Letztendlich wurde die Offenlegung des Bebauungsplanentwurfes bei sieben Gegenstimmen angenommen, so dass die Öffentlichkeit, Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange aktiv beteiligt werden und Anregungen und Bedenken äußern können.
Benjamin Kloos, 04.07.2013 TIP


Biogasanlage: SPD, CDU und FDP stimmen weiterem Verfahren zu und erhoffen sich Klärung

Grüne: „Es geht um das Wie“

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach

Um diese Hecke sorgen sich die Naturschützer. Hier soll ein Teil des Transportverkehrs der Biogasanlage vorbeigeführt werden.
© Nix

Lampertheim. Das Verfahren zum Bau einer Biogasanlage auf dem Gelände von Landwirt Werner Hartmann an der Wormser Landstraße kann nun in die Offenlage treten. In dieser Phase haben Bürger, Behörden und Institutionen die Möglichkeit, Einsprüche geltend zu machen. Die Stadtverordnetenversammlung gab in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause hierzu grünes Licht. Allerdings ohne die Grünen.

"Es geht nicht um die Frage Ja oder Nein, sondern um das Wie", begründete Fraktionschef Helmut Rinkel die Ablehnung der Grünen. Sogar das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde habe bislang starke Einwände geltend gemacht. Etwa in Bezug auf den Standort; in Darmstadt war die Frage aufgeworfen worden, warum die Biogasanlage nicht auf einem Gelände im Gewerbegebiet errichtet werde.

"Sahnehäubchen obendrauf"

Außerdem wurde die verkehrliche Erschließung beanstandet. Und die geplante Fracht von Hühnertrockenkot von weither im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens nicht für sinnvoll erachtet worden. "Hühnerkacke aus Sachsen-Anhalt" als "Sahnehäubchen obendrauf": Das ist auch in den Augen von Grünen-Fraktionschef Rinkel zu viel des Guten, um dem Projekt die volle Zustimmung zu erteilen. Am meisten störte sich der Politiker an den Stellungnahmen seiner Parlamentskollegen, die sich die Klärung kritischer Fragen im Zuge der Offenlegung erhoffen. Dies sei stattdessen Aufgabe der parlamentarischen Gremien, fand Rinkel. Dagegen warf CDU-Fraktionsvorsitzender Edwin Stöwesand den Grünen vor, einerseits für die Energiewende einzutreten, sich aber andererseits der Realisierung am Beispiel der Biogasanlage zu widersetzen. "Irgendwo muss der Strom doch herkommen", mahnte Stöwesand. Auch SPD-Fraktionsmitglied Peter Hensel sah im Verfahrensschritt der Offenlage ein "entscheidendes Instrument" zur Klärung offener Fragen.

Zuvor hatte Sozialdemokrat Philipp Schönberger die Ambitionen der lokalen Energiewende noch einmal bekräftigt: Ziel sei es, den Strombedarf in Lampertheim bis 2030 zu hundert Prozent aus regenerativen Energiequellen zu decken beziehungsweise bis 2016 mindestens zu 20 Prozent. Er bat die Verwaltung deshalb um eine Berechnung des aktuellen Gesamtstromverbrauchs als Datengrundlage für weitere Planungen im Zusammenhang mit der Energiewende.

© Südhessen Morgen, Samstag, 06.07.2013


„Wir sind über Ergebnis der Abwägung
zu Biogasanlage entsetzt"

„Initiativgruppe gegen die agrar-industrielle Biogasanlage in Lampertheim" nimmt Stellung

TIP-Verlag, 20. Juni 2013

LAMPERTHEIM - ”Wir sind entsetzt" war die erste Reaktion der "Initiativgruppe gegen die agrar-industrielle Biogasanlage in Lampertheim" auf das Ergebnis der Abwägung der Stadt Lampertheim bezüglich der abgegeben Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange.
"Auf unsere Einwände und Stellungnahmen wurde teilweise nur lapidar und unzureichend geantwortet. Die Stadt hatte versprochen, die ökologischen Aspekte zu berücksichtigen. Dies ist nicht der Fall", waren sich Andrea Hartkorn und Dieter Melchior von der Inititativgruppe einig.

Die Bürgerinitiative, unter ihnen Vertreter der Naturschutzverbände NABU und BUND sowie Anwohner, hatten sich bisher sehr kritisch zur geplanten Biogasanlage geäußert. Hauptanliegen der Naturschützer ist dabei der Schutz der etwa 700 Meter langen Feldhecke entlang des Bahngleises. Diese bietet 22 Vogelarten Lebensraum, darunter den auf der roten Liste stehenden Feldlerche und des Rebhuhns.

Daher war die Bestürzung groß, dass die versprochene Verkehrsentlastung des Feldweges entlang des Bahngleises nicht umgesetzt wurde und "der Verkehr fast ungehindert weiter im 10-Minuten-Takt an der Feldhecke entlang geführt wird", so Karl-Heinz Barchfeld. Zwar wurde nach dem Einlenken eines Landwirtes der Weg an seinem Hof vorbei zwischen der L 3110 und der Biogasanlage als Haupteinfahrt zu dieser deklariert, "jedoch nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Alle anderen Fahrzeuge müssen weiter an der Hecke vorbei, so auch die großen Transporter für Hühnertrockenkot, die Mitarbeiter der Anlage und natürlich alle landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die aus Richtung Süden kommen", ergänzte Andrea Hartkorn.

Angesichts der Seenlandschaft der letzten Woche in der Lache aufgrund des Hochwassers und damit verbundener hoher Grundwasserstände muss aus Sicht der Initiativgruppe zudem gefragt werden, welche Auswirkungen künftige Hochwasser auf den Betrieb der Biogasanlage haben und wie hoch die Gefahr ist, dass Hühnertrockenkot in die Felder abgeschwemmt wird.

Weitere wichtige Fragen, zu denen es nur unzureichende Antworten gäbe, seien die Vermaisung, die Verschmutzung des Grundwassers oder die Möglichkeit, nun doch Bioabfall zu verarbeiten. "Dann würde sich das gesamte Konzept der Anlage ändern und wir wären die gesamte Zeit über mit falschen Vorstellungen bezüglich des Betriebs der Anlage konfrontiert gewesen. Denn welcher Lampertheimer will Produkte essen, die mit den Bioabfallgärresten, die ebenfalls auf den Feldern ausgebracht würden, gedüngt worden sind?", fragt Andrea Hartkorn.

"Man habe den Eindruck", so Dieter Melchior, "die Stadt wolle die Biogasanlage mit allen Mitteln und Möglichkeiten durchboxen." Besonders verwundert zeigte sich die Initiativgruppe darüber, dass auch viele Vorschläge und Einwendungen anderer Verbände und sogar von Behörden wie dem Regierungspräsidium Darmstadt "kurz und bündig" abgewiesen wurden. Auf viele Anregungen sei überhaupt nicht eingegangen worden. Daher sei die nächste Phase der Beteiligung besonders wichtig. Denn dann dürfen neben den Organisationen auch einzelne Bürger Stellungnahmen abgeben. "Wir hoffen, dass viele Lampertheimer dieses Angebot nutzen", fordert Andrea Hartkorn  zur regen Stellungabgabe auf.

Die Initiativgruppe selbst will sich in den kommenden Wochen noch detaillierter mit den Unterlagen beschäftigen und klären, ob sie Einspruch gegen die Feststellungen in den Planungsunterlagen erheben will - in Abstimmung zu anderen Trägern öffentlicher Belange. Zunächst gilt es aber, die entsprechenden Sitzungen des SEBA und der Stadtverordnetenversammlung abzuwarten. "Wir hoffen, dass sich der eine oder andere Stadtverordnete doch noch seiner Verantwortung gegenüber dem Natur- und Artenschutz bewusst wird und seine Meinung ändert", war die einhellige Meinung.
Benjamin  Kloos


Keinen Millimeter angenähert

24.11.2012 - LAMPERTHEIM

Von Julia Neuert

BIOGASANLAGE Betreiber und Skeptiker tauschen altbekannte Argumente aus / Fronten weiterhin verhärtet

Geruchs- und Lärmbelästigung versus gesetzliche Richtlinien, Monokultur versus Fruchtfolgen, Studienergebnisse versus Studienergebnisse - in der Diskussion um den Bau der Biogasanlage bleiben die Fronten verhärtet. Am Donnerstagabend hatte der Fachdienst Stadtplanung unter Leitung von Hans-Joachim Schahn zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in den Saal der Zehntscheune geladen. In einem Vortrag stellte Olaf Brandes, Projektleiter des niedersächsischen Investors EnviTec, gemeinsam mit Hans-Erich Tannhäuser vom zuständigen Ingenieursbüro den aktuellen Bebauungsplan vor, den die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung vom 14. September nach einer geänderten Erschließung erneut aufgestellt hatte. Die anschließende Diskussion blieb weitestgehend sachlich, eine Annäherung zwischen Gegnern der Anlage und dem Betreiber scheint indes nicht in Sicht.

Ausführlich erläuterte Projektleiter Brandes zu Beginn die geplanten Verkehrsführungsalternativen, die im Vorfeld massiv kritisiert worden waren. Drei Varianten stehen dabei zur Debatte, die je nach Länge und Streckenführung eine geringere oder höhere Umweltbelastung zur Folge haben, so die Kritik. Nach Angaben des Betreibers sollen 90 Prozent der Zuliefertransporte aus Norden kommend über die kürzeste Strecke von 460 Metern von der L 3110 zur Anlage erfolgen. Dabei handelt es sich um die von der Initiativgruppe Biogasanlage favorisierte Variante (wir berichteten). Dass die längste Zulieferstrecke von 2,7 Kilometern entlang des Bahndamms für Transporte aus südlicher Richtung dennoch erschlossen und mit Haltebuchten versehen werden soll, obwohl so Brandes, nur mit einer Auslastung von zehn Prozent zu rechnen sei, überzeugte die Gegner nicht. Neben einem erhöhten CO2-Ausstoß durch die Zulieferfahrzeuge sehen sie zahlreiche Vogelarten gestört, die in der Hecke entlang des Bahndamms brüten.

In seinem weiteren Vortrag stellte Brandes die größtenteils bekannten Fakten dar, während die Skeptiker im Publikum ihre Kritik erneuerten. Der befürchteten „Vermaisung“ Lampertheims hielt der Projektleiter entgegen, dass der Mais nicht ausschließlich von umliegenden Feldern bezogen werde und die Bauern beim Anbau ohnehin Fruchtfolgen einführen müssten. Bei den geäußerten Sorgen zur Geruchs- und Lärmbelästigung verwies Brandes auf die einzuhaltenden Richtlinien. Der eingesetzte Trockenkot werde von Höfen mit Legehennen-Haltung bezogen und dessen Qualität garantiert, um eine Gefährdung durch Keime auszuschließen. Darüber hinaus sei die vertraglich geregelte Abnahme der Endprodukte durch Landwirte - ebenso wie alle anderen einzuhaltenden Richtlinien - eine Voraussetzung dafür, dass die Betriebserlaubnis erteilt werde. Bei geäußerten Bedenken zum Einsatz von genmanipulierten Maispflanzen, zu geringen Qualitätsprüfungen bei Hühnertrockenkot und den angeführten Erfahrungen aus Biogasanlagen in ganz Deutschland konnte Brandes die Wortführer dann auch nur an andere Stellen verweisen.

Trotz aller bemühten Sachlichkeit drehte sich die Diskussion am Ende um sich selbst. Eine Annäherung wird es auf absehbarer Zeit wohl nicht geben.



Energie: Investor stellt erneut Planungen zur Biogas-Anlage vor/Hitzige Debatten beim Termin zur Beteiligung der Öffentlichkeit gestern Abend in der Zehntscheune

„Wir müssen damit leben – Sie nicht“

Von unserem Redaktionsmitglied Anne-Kathrin Jeschke

Lampertheim. "Sie verbraten Natur und Nahrungsressourcen!" - Diesen Vorwurf mussten sich Olaf Brandes und Hans-Erich Tannhäuser gestern Abend in der Zehntscheune gefallen lassen. Und dass sie "Verbrechen an der Umwelt" begehen. Sie - der eine als Projektleiter, der andere als Ingenieur - sind verantwortlich für die Planung der Biogas-Anlage in der Lache und waren nach Lampertheim gekommen, um die Öffentlichkeit an ihrem Vorhaben zu beteiligen. Die Vorwürfe zeigen: Erneut sind die Emotionen dabei hochgekocht.

Rund 50 Lampertheimer waren gekommen, um mitzudiskutieren, fast zwei Stunden lang tauschten die Biogas-Fürsprecher und ihre Gegner Argumente aus. Zuvor aber hatte Olaf Brandes vom Investor Envitec den Stand der Planungen vorgestellt. 1,45 Megawatt Leistung soll die Anlage haben, 7 Millionen Euro Investitionsvolumen sind im Spiel, das Substrat soll sich zusammensetzen aus rund 1800 Tonnen Hühnerkot jährlich, 13 800 Tonnen Mais und 11 600 Tonnen Ganzpflanzensilage, um nur ein paar Eckdaten zu nennen. Die rund 21 680 Tonnen Gärreste sollen Landwirte abholen und als Düngemittel benutzen. Ein Thema, was viele Bürger beschäftigt: "Hühnerkot aus Massentierhaltung kommt dadurch auf die Felder - und wir sollen das später essen?", empörte sich eine Zuschauerin.

Der Hühnertrockenkot komme aus Legehennenhaltung und enthalte keine Antibiotika, sagte Brandes. Er versuchte zu beschwichtigen: "Die Qualität wird ständig kontrolliert." Den Vorwurf, dass eventuell mehr Trockenkot in die Anlage eingebracht werde als bislang geplant, konnte er abwehren - das sei "aus technischen Gründen schlichtweg nicht machbar".

"Strom für 3000 Haushalte"

Wie viele Haushalte denn konkret durch die Biogas-Anlage versorgt werden könnten, wollte ein Zuschauer wissen. "3000 Haushalte pro Jahr mit Strom und zusätzlich 2000 mit Wärme", so der Projektleiter. Auf den Vorwurf hin, dass Windkraft wesentlich effizienter sei, machte Brandes Werbung für seine Form der erneuerbaren Energie und betonte: "Die Windkraft ist nur sehr schwer zu speichern, deswegen wird der Strom daraus oft ans Ausland verschenkt."

Viele Bedenken haben die Bürger bezüglich möglicher Geruchsbelästigungen. Tannhäuser versicherte, dass der Geruch von ausgebrachten Gärresten nicht annähernd mit dem von Gülle zu vergleichen sei - und die werde ja auch ausgefahren.

"Wie muss ich mir Lampertheim in Zukunft vorstellen? Gibt es nur noch Maisäcker?" wollte ein Gast wissen. Laut Brandes und Tannhäuser nicht. Sie betonten, dass Mais diverse Fruchtfolgen ermögliche - und dass sie nicht nur Substrat von Lampertheimer Gemarkung für die Biogas-Anlage nutzen wollen. Und doch sprechen sie von einem gewünschten Anlieferungs-Radius von nicht mehr als rund 15 Kilometern (außer beim Hühnertrockenkot).

Einige Bedenken wiesen die Anlagen-Planer nüchtern damit ab, dass die Gesetzeslage in Deutschland Entsprechendes eben zulasse. "Wir halten uns an das geltende Recht", betonte Brandes mehrmals. Und Tannhäuser sprach von einer "Hosen-Runter-Politik", sie legten alle Informationen offen, die sie hätten. "Denn was wir heute nicht diskutieren, das holt uns morgen ein", so der Ingenieur. Doch allein das geltende Recht ist es nicht, was einige Lampertheimer beschäftigt. Eine Besucherin im Publikum sagte dazu: "Wir müssen damit leben - Sie nicht!"

© Südhessen Morgen, Freitag, 23.11.2012


Gegen geplantes Vorhaben wehren

Initiativgruppe kritisiert Bau einer Biogasanlage in der Lache /
Passanten stark an Thema interessiert

LAMPERTHEIM – Die Energieversorgung in Deutschland wird in den kommenden Jahren mit dem Ausbau der erneuerbaren Energiequellen umstrukturiert. Neben der Windenergie und der Photovoltaik wird auch der Ausbau der Biomassenutzung in Betracht gezogen. Doch "die daraus erzeugte Energie hat mit den so genannten "Erneuerbaren Energien" nichts zu tun", so die Meinung der Initiativgruppe Biogasanlage Lampertheim, die sich dabei unter anderem auf das Ergebnis einer Studie der "Leopoldina", der nationalen Akademie der Wissenschaft, beruft. Danach sei es der falsche Weg, auf Biomasse zu setzen. Somit sei auch der geplante Bau einer agrarindustriellen Anlage in Richtung Lampertheim-Rosengarten alles andere als umweltbewusst.

Aus diesem Grund hat sich die Initiativgruppe zusammengefunden und nutzt die Agenda 21 der Stadt als Plattform. "An besagter Stelle befindet sich ein kleines Wäldchen und Hecken, die einst von Schülern gepflanzt wurden", erklärt Andrea Hartkorn von der Initiativgruppe und Vorsitzende des Naturschutzbundes in Lampertheim, die zusammen mit Alexander Morawetz, Eva Größler und Dieter Melchior am Samstag für Fragen und Auskünfte bereitstanden. "Viele einheimische Tiere nutzen diese als Ruhe- und Brutstätte." Doch mit dem Bau der Anlage wäre es aber mit der Ruhe vorbei. Der geplante Transportweg führe direkt daran vorbei und durch den Lärm und die Erschütterungen würden die Tiere vertrieben, erläutert Hartkorn. "Die Stadt hat zwar ein offenes Ohr für uns und setzt sich auch ein”, ergänzt Hartkorn, dass ein naturfachliches Gutachten erstellt werden soll. Die Initiativgruppe befürchtet jedoch, dass dieses Gutachten nur die direkten Schäden in Betracht zieht, letztlich seine Zustimmung zum Bau der Biogasanlage erteilen wird.

"Die Lampertheimer Bürger haben nichts davon. Sie bezahlen nur", meint Alexander Morawetz. Durch die Anlage gelangen Stäube und Gase in die Luft, die oft durch die Nutzung von Hühnertrockenkot als Substrat Antibiotika enthalten können. Die Landschaft werde "vermaist", was bedeutet, dass durch die Monokultur bedingt durch den Anbau von Mais die Fruchtbarkeit des Bodens beeinträchtigt werde, was im Zusammenspiel mit der Verdichtung durch den Einstatz schwerer Maschinen zu Erusionen führe.

12.09.12/TIP/Manuel Ding


Energie: Gegner stehen heute mit Infostand auf dem Schillerplatz/Projektleiter wirft Initiativgruppe vor, die Öffentlichkeit „vorsätzlich falsch“ zu informieren

Geplante Biogas-Anlage erhitzt weiter die Gemüter

Von unserem Redaktionsmitglied Anne-Kathrin Jeschke

Lampertheim. Die Kritiker der geplanten Biogasanlage in der Lache, die sich in einer Initiativgruppe zusammengeschlossen haben, wollen heute die Bevölkerung über ihre Vorbehalte informieren. Dazu werden sie ab 9.30 Uhr an einem Stand auf dem Schillerplatz über die möglichen Folgen der Inbetriebnahme und die Auswirkungen der Anlage auf Landschaft und Umwelt hinweisen - mit einem Flyer und im Gespräch.

Im Vorfeld meldet sich auch noch einmal Olaf Brandes, Projektentwickler der Firma EnviTec Biogas, zu Wort. Er kritisiert, dass die Gegner der Biogas-Anlage um Andrea Hartkorn "die Öffentlichkeit vorsätzlich falsch" informierten. Das nennt Hartkorn, Vorsitzende der Lampertheimer Nabu-Gruppe, "Kokolores". Sie erklärt: "Wir stützen uns auf Fakten." Unter anderem bringt sie eine Studie der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (Saale) zum Thema Biogas ins Gespräch. "Außerdem", sagt Hartkorn, "kennen wir die Probleme hier vor Ort".

Weg weiterhin Streitthema

In dem Konflikt zwischen dem Investor und den Lampertheimer Naturschützern geht es unter anderem um die geplante Erschließung der Anlage (wir berichteten). Hartkorn geht dabei von einer jährlichen Mehrtransportstrecke von 17 000 Kilometern aus. Laut Brandes ist diese Rechnung falsch. "Da die Lieferfahrzeuge unterschiedliche Anfahrtsrouten nutzen."

Den Feldweg, die kürzeste Strecke, gegen deren Ausbau sich ein benachbarter Landwirt vehement zur Wehr setzt, könnten größere Lastwagen nicht fahren, betont Hartkorn. Sie ist froh, dass sich auch die Verwaltung und viele Parlamentarier gegen die aktuellen Erschließungspläne aussprechen. Für sie ist eins klar: "Wenn die Strecke so bleibt, gehen wir auf die Barrikaden."

Auch die Ökobilanz der Biogas-Anlage ist Streitthema. Während sich die Naturschützer wünschen, dass die Kohlendioxid (CO2)-Emission bei erneuerbaren Energien "gegen Null geht", und kritisieren, dass bei den meisten Anlagen dieser Art Treibhausgase "in großen Mengen" entstünden, sprechen die Investoren davon, dass zwar Emissionen anfielen, die Ökobilanz aber sehr positiv sei: Die für Lampertheim geplante Anlage verfolge ein Konzept, bei dem nur wenig CO2 freigesetzt werde.

Die Anlagen-Kritiker befürchten außerdem, dass in Zukunft keine Vögel mehr am Bahndamm brüten. Diese Behauptung, so Brandes, entbehre jeder Grundlage. Der Umweltbericht, den der Investor in Auftrag gegeben hat, habe ergeben, dass das Feldgehölz erhalten bleibe. Der Eingriff habe keine artenschutzrechtlichen Konsequenzen. Hartkorn ist keineswegs einverstanden mit diesem Ergebnis: "Wenn die Lastwagen da vorbeirappeln, kann ich mir nicht vorstellen, dass noch ein Ei im Nest liegenbleibt", sagt sie überspitzt. Hier werde man das Gespräch mit der Naturschutzbehörde suchen, versichert sie. Die Untersuchung, die der Investor vorgelegt hat, müsse hinterfragt werden.

Ethische Aspekte im Blick

Die Gruppe um Hartkorn hat in den Diskussionen der vergangenen Monate mehrfach betont, dass sie nicht generell gegen Biogas sei, aber gegen industrielle Großanlagen.

Die genannten Themengebiete sind längst nicht alle, über die Gegner und Befürworter teilweise völlig unterschiedlicher Meinung sind. In ihrem Flyer kritisieren die Mitglieder der Initiativgruppe auch die ihrer Meinung nach "ökologisch fragwürdigen Bedingungen", unter denen die Substrate erzeugt würden. Ethische Aspekte stehen bei ihren Treffen ebenfalls auf der Tagesordnung, so sprechen sie im Zusammenhang mit Biogas von "subventionierter Verbrennung von nachwachsenden Rohstoffen als große Lebensmittelvernichtung". Während die Gegner Angst vor Vermaisung haben, betont der Investor, dass es in Lampertheim keine Monokultur Mais geben werde. Die Liste an Streitpunkten bei dem sensiblen Thema scheint schier unendlich.

© Südhessen Morgen, Samstag, 08.09.2012

Streckenführung „Unsinn“

07.09.2012 - LAMPERTHEIM

Von Oliver Lohmann

ENERGIEPROJEKT Initiativgruppe will über Biogasanlage aufklären / Investor ist entspannt

Gegen die geplante Biogasanlage nördlich des Industriegebiets Wormser Landstraße regt sich Widerstand. Eine „Initiativgruppe ,Bio’gasanlage“ stellt am Samstag, 8. September, einen Infostand auf: auf dem Schillerplatz von 9.30 bis gegen 12 Uhr. Hauptkritikpunkte: die vorgesehene Streckenführung für die anliefernden Fahrzeuge und die negative Ökobilanz.

„Wir sind keine Bürgerinitiative. Vielmehr hat sich eine Gruppe aus dem Lokale-Agenda-Arbeitskreis herauskristallisiert, die sich mit dem Thema beschäftigt“, erläutert Andrea Hartkorn, eine der Aktiven der Initiativgruppe. Einer der Kritikpunkte ist die geplante Streckenführung zur Biogasanlage, die am Bahndamm entlangführen soll. „Aufs Jahr hochgerechnet sind das 17 000 Kilometer Mehr-Weg für die anliefernden Fahrzeuge im Vergleich zur direkten Anbindung von der L 3110 her. Das ist ökologischer und ökonomischer Unsinn“, sagt Hartkorn dazu. In dem Punkt hat die Gruppe aber auch die Politik und die Verwaltung hinter sich. Bürgermeister Erich Maier versprach im Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss, es werde nach Lösungen gesucht. Grund der langen Wegeführung ist die kritische Haltung eines Landwirts an der L 3110.

„Am Bahndamm leben 22 Vogelarten, 20 brüten dort. Wenn dort 40-Tonner fahren, brüten wegen des Lärms keine Vögel mehr. Die Artenvielfalt ist bedroht“, urteilt Hartkorn. Sie betont, man sei nicht generell gegen Biogasanlagen. Diese seien sinnvoll auf landwirtschaftlichen Höfen, wo die dort entstandene Gülle oder Reststoffe energetisch genutzt werden. „Aber hier ist eine industrielle Anlage geplant, die nachwachsende Rohstoffe verwendet“, erläutert Hartkorn. Und das sei mit zahlreichen negativen Begleiterscheinungen verbunden. Monokulturen (Mais) führten zu geringer Bodenfruchtbarkeit und nähmen der Lebensmittelproduktion Fläche weg - mit der Konsequenz steigender Preise für die Ernährung. Außerdem würden für die Produktion nachwachsender Rohstoffe nicht wenig Kunstdünger und Pestizide eingesetzt. „Die Ökobilanz der meisten Anlagen ist katastrophal, weil Treibhausgase entstehen. Die Anlagen dürfen kein Bio-Siegel verwenden. Nicht selten gibt es auch Störfälle“, sagt Hartkorn. Kritisierenswert sei darüber hinaus die Verwendung von Hühnertrockenkot, der aus Tierfabriken stamme. Windkraft und Fotovoltaik sieht Andrea Hartkorn als sinnvollere Formen zur Energieerzeugung an. Zwar gebe es auch bei der Windkraft Probleme, doch die seien lösbar.

Die Lampertheimer Kommunalpolitik steht dem Projekt Biogasanlage im Norden der Stadt prinzipiell positiv gegenüber. Hartkorn betont, die Initiativgruppe wolle für Transparenz sorgen, Bürgerbeteiligung sei wichtig. Mindestforderung der Initiativgruppe sei die direkte Andienung der Anlage von der L 3110.

Olaf Brandes, Projektleiter von EnviTec, sieht die Diskussion um die Wegeführung entspannt. Für den Bebauungsplan sei eine formalrechtliche Erschließung nötig. Welchen Weg die anliefernden Fahrzeuge letztlich nehmen, sei offen. Es gebe verschiedene Wege zur geplanten Biogasanlage, an der Bahnlinie entlang würden zumindest Fahrzeuge verkehren, die aus Richtung Bürstadt kommen. Daher gebe es sicher keine 17 000 Kilometer Mehr-Weg. Die Gefahr von Mais-Monokulturen sieht Brandes auch nicht. „Weniger als die Hälfte der pflanzlichen Substrate für die geplante Biogasanlage sind Mais, es handelt sich um nicht mal 200 Hektar“, erklärt er. Auch entstehe durch den Transport des Substrats wenig Kohlendioxid. Und Rohstoffe für Windkraft und Solarzellen müssten aus fernen Ländern beschafft werden, was auch nicht ökologisch sei. Die Biogastechnik habe zudem den Vorteil, dass die Energie speicherfähig sei. Die Diskussion in Lampertheim über das Projekt hält Brandes für „recht sachlich“, er habe das schon anders erlebt.


Wo geht‘s zur Biogasanlage?

06.09.2012 - LAMPERTHEIM

Von Oliver Lohmann

PROJEKT Politik und Verwaltung suchen Lösungen für den Weg des Anlieferverkehrs

Das Projekt Biogasanlage im Norden Lampertheims war erneut Thema im Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss. Die Politiker befürworteten einstimmig die leicht geänderte Planung. Nur ein Punkt stieß auf Unzufriedenheit bei Verwaltung und Politik gleichermaßen: der Weg, den die anliefernden landwirtschaftlichen Fahrzeuge nehmen sollen. Vorgesehen ist, dass der Weg am Bahndamm genutzt werden soll. Ein an der L3110 wohnender Landwirt lehnt offenbar ab, dass der direkte Weg zur Biogasanlage genutzt werden kann.

Diplom-Ingenieur Hans-Erich Tannhäuser erläuterte den aktuellen Planungsstand. Unter anderem versicherte er, dass die zu erwartende Geruchsbelastung laut einem Gutachten irrelevant sei. Auch der Lärm sei nicht negativ zu bewerten: Am Tag seien maximal 40 Dezibel zu erwarten, damit werde der erlaubte Wert um 20 Dezibel unterschritten. Der nächtliche Wert von höchstens 39 Dezibel liege 6 Dezibel unter dem erlaubten.

Carmen Kunz (Grüne) und Helmut Hummel (FDP) machten klar, dass der Weg am Bahndamm die nahe Natur, insbesondere die Vögel, beeinträchtigt. Tannhäuser versicherte, es ergäben sich keine artenschutzrechtliche Konsequenzen aus dem Vorhaben. Bürgermeister Erich Maier sagte, auch der Magistrat habe dem Projekt unter der Maßgabe zugestimmt, die Wegeführung zu klären. „Ich könnte mir vorstellen, dass es Lösungen gibt“, meinte er.

Hummels Frage, ob nicht mit der Bahn angeliefert werden kann, verneinte Olaf Brandes vom Investor EnviTec, ein Umladen der Materialien sei zu teuer. Man setze auf Rohstoffe aus der Umgebung. Franz Korb (CDU) wunderte sich über die Diskussion: „Wir wissen nicht, was wir wollen. Sind wir bereit, das Projekt abzulehnen, wenn sich die Zuwegung nicht ändert?“ Für diese Aussage hatten wieder andere kein Verständnis. Maier betonte, an der grundsätzlichen positiven Einstellung zum Projekt Biogasanlage habe sich ja nichts geändert. Zugleich sagte Maier zu, das Thema Zuwegung nochmals im Ausschuss zu bringen, wenn es neue Informationen gibt.

Der Ausschuss bejahte die Änderung des Flächennutzungsplans und den Bebauungsplan Biogasanlage Lache. Das Stadtparlament muss allerdings noch zustimmen. Bereits am 17. Februar dieses Jahres war ein Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan gefasst worden, allerdings habe es einen technischen Fehler beim Protokollieren gegeben, so dass eine erneute Abstimmung nötig wurde.


Energie: Geplante Biogas-Anlage steht auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses

Hindernisse liegen im Weg

Von unserem Redaktionsmitglied Anne-Kathrin Jeschke

Lampertheim. Es ist und bleibt der Weg, den nicht alle Parlamentarier mitgehen wollen. Genau genommen: Von dem sie nicht wollen, dass ihn in Zukunft Laster um Laster befährt. Wieder einmal stand die geplante Biogas-Anlage in der Lache auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses. Nach wie vor ist die Zufahrt zur Anlage Streitpunkt. Die siebte Änderung des Flächennutzungsplans stand an - und wurde am Ende einstimmig beschlossen. Allerdings mit der Anmerkung: "Die Erschließungsvarianten sind zu prüfen."

Die kürzeste Strecke führt über einen Feldweg von der L 3110 direkt zur Biogasanlage auf dem Gelände des zukünftigen Betreibers Werner Hartmann. Ein benachbarter Landwirt allerdings wehrt sich vehement gegen die Erschließung. 800 Meter lang wäre diese Strecke hin zur Anlage und zurück. Der alternative Weg, von dem die Planer derzeit ausgehen, ist wesentlich länger: insgesamt 6,4 Kilometer hin und zurück. Die Strecke führt von der L 3110 über das Verkehrskreuz am Küblinger Damm und über die Lache entlang der Industriegleise - und müsste an einigen Stellen verbreitert werden, damit Anlieferer aneinander vorbei fahren können.

Mit dieser Lösung sind viele der Parlamentarier nach wie vor nicht einverstanden. Auch ökonomisch sei sie großer Unsinn, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Rinkel. Franz Korb, CDU-Fraktionsmitglied, kritisierte hingegen die Diskussionsfreude rund um das Thema: Das alles erinnere ihn an den Spruch "Wasch mich, aber mach mich nicht nass". Einige sehen das allerdings ganz anders: "Wir suchen die bestmögliche Lösung, da sollte uns gestattet sein, darüber zu reden", so Helmut Hummel (FDP).

Vor der Abstimmung war den Ausschuss-Mitgliedern wichtig, dass ein Beschluss nicht automatisch bedeute, dass die jetzige Erschließung durchgehe, wenn keine Alternative zu finden sei. Bürgermeister Maier beruhigte: "Finden wir keine Alternativen zur Erschließung, muss das Thema noch einmal in den Ausschuss."

Generell stand die Planänderung noch einmal zur Diskussion, weil zuvor ein formaler Fehler im Aufstellungsbeschluss passiert war: Versehentlich sei die ursprüngliche Erschließung protokolliert worden, nicht die aktuellste Version, erklärte Bürgermeister Maier.

"Das ist die maximale Leistung"

In der Änderung geht es vor allem darum, dass die Anlage auf dem Gebiet Werner Hartmanns kleiner werden soll als zunächst geplant: "Wir haben sie von 2,4 auf 1,45 Megawatt Leistung reduziert", so Hans-Erich Tannhäuser vom zuständigen Ingenieursbüro. "Wird die Anlage jetzt definitiv kleiner?", fragte Helmut Rinkel. "Oder behält man sich vor, noch zu vergrößern?" Tannhäuser und Projektleiter Olaf Brandes versicherten unisono: "Das ist die maximale Leistung."

Tannhäuser stellte der Runde weitere Aspekte vor: Es geht um eine Gesamtfläche von 3,1 Hektar, darunter fallen zum Beispiel auch die Zufahrtsmöglichkeiten. 21 280 Quadratmeter davon seien ausgewiesen als Sondergebiet "Biogasanlage". 50 Prozent der Sondergebietsfläche dürften versiegelt werden. Möglich wäre es, Gebäude bis 15 Meter, Notfackelanlage und Schornsteine höchstens 20 Meter hoch zu bauen. Das wolle man jedoch nicht ausreizen. "Wir gehen bei der Höhe der höchsten Gebäude von elf Metern aus, ich kann mich aber noch nicht festlegen", sagte Tannhäuser.

Die Simulationsmodelle für Schall- und Geruchsgutachten haben, so Tannhäuser, ergeben, dass die Belastung für Mensch und Tier so gering sei, dass keine weiteren Untersuchungen notwendig seien. Die überarbeitete Planung habe keinerlei negative Auswirkungen auf die bestehenden Gutachten: "Geruchsbelästigung und Schall bleiben gleich oder werden geringer. Grundsätzlich ist Verbesserung absehbar", so der Ingenieur.

Ein Anliegen der Grünen sprach Carmen Kunz an: "Wenn die Anlage schon kleiner geplant wird, warum geht man dann nicht ein Stück weiter nach links, um dem kleinen Wildschutzgebiet etwas mehr Luft zu geben?" Das sei nicht möglich, sagte Tannhäuser, weil die Anlage nicht auf die Schluff- und Tonböden gebaut werden könne. Er verwies auch auf Ergebnisse der artenschutzrechtlichen Untersuchungen. 22 Vogelarten, davon 20 Brutvögel, lebten auf dem Gebiet. "Das Feldgehölz bleibt vollständig erhalten", sagte der Ingenieur. Die Gutachten gingen davon aus, dass Tieren kein Schaden zugefügt werde. Ein Defizit bleibe am direkten Bauplatz - "aber der Ausgleich erfolgt in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde".

Die genauen Ergebnisse der Untersuchungen forderten die Parlamentarier auf CD-Rom an, das Herunterladen der Dateien (ein Link war ihnen zugegangen) sei aufgrund mehrerer Systemzusammenstürze nicht möglich gewesen.

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 06.09.2012

Wettrüsten mit Argumenten:

Bürgerinfo zur Biogasanlage im Stadthaus

Von André Heuwinkel

BIOGASANLAGE Im Stadthaus diskutieren Investor und Initiativmitglieder über das Für und Wider

Botulismus, Fruchtfolgen, Europäische Staatsschuldenkrise - beim Thema Biogasanlage kommt in Lampertheim so ziemlich alles zusammen, was nicht immer zusammengehört. Und wem bei kosmopolitischen Themen wie diesen schon schwindelig wird, der hätte am Mittwochabend der freiwilligen Bürgerinformationsveranstaltung im Sitzungssaal des Stadthauses besser fernbleiben sollen. 60 Hartgesottene - zumeist Stadtverordnete, Verwaltungsmitglieder, Bürger, Landwirte und Naturschützer stellten sich dem Wagnis und gingen das Thema „Biogasanlage“ ganz sachlich, ausgewogen und fair in Form einer Diskussion an.

Die geplante Biogasanlage an der Lache, nahe der Wormser Landstraße, hat zuletzt für mächtig Wirbel gesorgt. Stehen genügend Flächen zum Substratanbau zur Verfügung? Wie gefährlich ist Hühnertrockenkot? Droht der Stadt eine Vermaisung? Und was passiert eigentlich, wenn die Unternehmung fehlschlagen sollte? Fragen über Fragen, die manches ökologisches Gewissen quälten. Olaf Brandes, Projektleiter der niedersächsischen Firma EnviTec, stellte sich der Kritik einer Untergruppe der Lokalen Agenda 21 - Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen - sowie den Fragen des Plenums. Geplant ist, bis frühestens 2014 eine funktionstüchtige und allgemein akzeptierte Biogasanlage zusammen mit Werner Hartmann, Inhaber der Agrarprodukte Hartmann GmbH & Co. KG, zu realisieren. Die Bürstädter Variante hatten einige Anwesende aus dem Plenum noch als drohendes Gegenbeispiel im Hinterkopf. Je 30 Minuten waren Brandes sowie Alexander Morawetz, dem Referenten der Initiative Biogasanlage, vergönnt, jeweils ihre Standpunkte darzulegen.

Hierbei beschränkte sich der EnviTec-Vertreter zum größten Teil auf die bekannten Fakten: 2,7 Hektar werde die in zwei Bauabschnitte unterteilte Biogasanlage maximal groß sein, 1,2 Megawatt an elektrischer Leistung erbringen und per anno 1 800 Tonnen Hühnertrockenkot als Substrat verwenden. Nicht mal ein Zehntel des Gesamtsubstrats, das überwiegend aus Ganzpflanzensilage oder Mais bestehe. Geäußerten Sorgen, Monokulturen würden in der Spargelstadt Einzug halten, erteilte Brandes eine Absage. Zum einen sei der Maisanteil gesetzlich nach oben gedeckelt (60 Prozent), zum anderen sei die Maispflanze sehr anspruchlos. Da die Pflanze ein Humuszehrer ist, müssen ohnehin Fruchtfolgen eingeführt werden. Wer hier auf den Anbau einer einzigen Pflanze setze, betreibe „Harakiri“, so Brandes. Auch die Verkehrsanbindung zum Transport der Substrate sowie der Gärreste, die während der Fermentation enstehen, sei gut gewählt, eine massive Lärmbelästigung der Umwelt nicht zu erwarten. Schließlich rede man von einer Größenordnung von 3 000 Fahrten im Jahr, die - in Relation zum Gesamtverkehrsaufkommen in der Wormser Straße oder Rosengarten - keine „exorbitante Zunahme“ bedeuteten.

Dem wollte die Initiative Biogasanlage nicht so recht Glauben schenken. Referent Morawetz zeigte einen Videoclip des NDR-Magazins „45 Minuten“, in dem vor den Folgen des exzessiven Maisanbaus gewarnt wurde. Sandverwehungen seien die Folge. „Bislang acht Tote“, verlautet die Erzählerstimme in der Videosequenz. Ob sich das Beispiel überhaupt auf süddeutsche Gefilde übertragen lässt, beantwortete der Film nicht. Hiernach ergriffen Andrea Hartkorn und Dieter Melchior, ebenfalls Mitglieder der Initiative das Wort. „Die Transportwege sind nicht optimal gewählt und das Projekt mindert die Naherholungsqualität der Region“, so die Lampertheimer NABU-Vorsitzende.

Auch Melchior hakte hier ein und bemängelte, dass durch den steigenden Transportverkehr die Artenvielfalt in der Hecke an dem Industriegleis - mit einer Fläche von einem Quadratkilometer einmalig in Lampertheim - bedroht sei. „Welcher Vogel soll denn dort bitte schön noch nisten?“, fragte er Brandes.

Auch Landwirt Christian Schmidt machte nochmals auf die Botulismus-Problematik aufmerksam. Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand sei diese Form der Lebensmittelvergiftung allerdings äußerst unwahrscheinlich, konzidierte Brandes, und verwies darauf, dass der Hühnertrockenkot von Legehennen generiert werde. „Man kann es zwar nicht zu 100 Prozent ausschließen, aber die Fakten sprechen bislang dagegen, dass Botulismus ein Gefahrenherd ist“, sagte er weiter.

„Wer soll denn das alles bezahlen - wir haben jetzt Griechenland und Italien“, rief ein Zuschauer in den Saal und wollte damit wohl eine Kritik an der Energieförderpolitik der Bundesregierung loswerden. Bemerkenswert, jedoch wurde dem Zwischenruf keine größere Aufmerksamkeit geschenkt. In Lampertheim hängt scheinbar alles mit allem zusammen.

Letztendlich sei es eine Frage der Abwägung - wolle man die Abkehr fossiler Energieträger voranbringen oder nicht? So brachte es Peter Hensel gegen Ende der Veranstaltung auf den Punkt: „Nach Fukushima haben wir das Ziel ins Auge gefasst, langfristig 100 Prozent unseres Bedarfs aus erneuerbaren Energien zu gewinnen“, erinnerte der Sozialdemokrat. „Wie möchte denn bitte schön die Agenda 21 die Wende voranbringen, wenn sie schon gegen Biogas ist? Keine Energiegewinnungsform kommt schließlich völlig ohne negative Effekte aus.“ Andrea Hartkorn entgegnete, dass Zweifel über den Weg zur Energiewende erlaubt sein müssen. Konkrete Vorschläge jedoch waren an diesem Abend nicht zu vernehmen.

Sollte die Unternehmung Biogasanlage aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen scheitern, trage der Investor die Kosten für den Rückbau, und nicht die Stadt. Das bestätigte Olaf Brandes abschließend. Bis August können sich Befürworter wie Skeptiker für einen neuen Disput rüsten: Dann findet eine neue Bürgerinformationsveranstaltung im Rahmen der Bürgerbeteiligung statt.

04.05.2012 / Lampertheimer Zeitung


Energie: Investor informiert Bürger über die geplante Anlage/Auch Gegner kommen zu Wort

Envitec will (Bio)Gas geben, Initiative tritt auf die Bremse

Lampertheim. Genaue Werte wünscht er sich. Ein Konzept mit belastbaren Zahlen - auf die sich die weiteren Diskussionen stützen können. Das betont Karl-Heinz Barchfeld bei der Informationsveranstaltung, zu der der Investor der geplanten Biogasanlage am Standort Lache eingeladen hat. Denn eins wird an diesem Abend noch einmal besonders deutlich: Bislang kursieren viele Zahlen, viele Gerüchte rund um die Anlage - ihre Größe, die notwendige Substratmenge, die Zusammenstellung des Substrats.

Investor Envitec legt an diesem Abend Zahlen für den ersten Abschnitt vor. Denn die Anlage ist mittlerweile zweistufig konzipiert - mit einer Anfangsleistung von 1,2 Megawatt und der Option auf eine spätere Vergrößerung. Die Initiative, die gegen den Bau ist und zu der Barchfeld gehört, liefert andere Zahlen: Sie treffen zu, falls die Anlage vergrößert wird. Die Kritiker - eine Gruppe aus dem Agenda-21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen - bekommen eine Plattform, um ihre Zweifel vorzutragen. Ihnen geht es dabei vor allem um die Natur: um das Wäldchen und den Heckenstreifen in der Lache, Orte, wo Vögel brüten. Die sieht die Gruppe um Nabu-Vorsitzende Andrea Hartkorn in Gefahr. Die Aussage von Envitec-Projektleiter Olaf Brandes, dass diese Flächen unberührt blieben, beruhigt sie nicht: Transportkrach und Erschütterungen vertrieben die Tiere aus ihrer Ruhezone.

Noch viele Fragen

Die Gegner haben noch viele Fragen, zum Beispiel: Wenn der Investor vom jährlichen Maisgehalt von 11.000 Tonnen im Substrat ausgeht, wie viele Hektar Anbaufläche wären davon betroffen? Brandes spricht von rund 45 Tonnen Ertrag pro Hektar. Das entspräche also einer Fläche von über 240 Hektar.

Die Naturschützer befürchten zudem, dass es zu Monokulturen kommt, zu Bodenstrapazen und steigender Nitratbelastung. Sie sprechen außerdem das Thema chronischer Botulismus an, eine Krankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird und Menschen wie Tiere befällt. Die Befürchtung: Hühnertrockenkot als Substrat könne Tierkadaver enthalten. Im Feldhäcksler könnten Tierkadaver zusammen mit dem Substrat konserviert werden. Da der Fermentationsprozess in der Biogasanlage unter Luftabschluss laufe, herrschten optimale Bedingungen für die Bakterien. Durch die Verteilung der Gärrückstände auf den Feldern könnten die Bakterien dann in der Region verbreitet werden. Olaf Brandes betont, dass der Trockenkot aus Legehennen-, nicht aus Mastbetrieben komme. Er sieht deswegen keine derartige Gefahr. Dass man das Thema Botulismus aber immer im Blick habe, räumt er ein. Er erläutert aber auch, dass Konzentrationsänderungen der Stoffe in der Anlage gerade dafür sorgten, dass Keime abstürben.

Viel diskutiertes Thema außerdem: Transport und Transportwege. Drei Strecken sind im Gespräch, die die Lastwagen, die das Substrat bringen oder die Gärreste abtransportieren, fahren könnten: Die kürzeste führt über einen Feldweg von der L3110 direkt zur Biogasanlage auf dem Gelände des zukünftigen Betreibers Werner Hartmann. Ein benachbarter Landwirt allerdings wäre nicht glücklich mit der Erschließung. Deswegen soll der Weg nur geschottert und für den landwirtschaftlichen Verkehr vorgesehen werden. 800 Meter lang wäre diese Strecke hin zur Anlage und zurück.

Ein zweiter Weg hat eine wesentlich längere Strecke (insgesamt 6,4 Kilometer hin und zurück), was die Initiative besonders kritisiert. Diese Strecke führt von der L3110 über das Verkehrskreuz am Küblinger Damm und über die Lache entlang der Industriegleise. Die Mitarbeiter des Arbeitskreises wünschen sich Vorschläge für Alternativstrecken. Ein dritter möglicher Weg führt parallel zum Feldweg über das Gewerbegebiet.

Das Thema Biogasanlage wird in Lampertheim durchaus emotional diskutiert. Befürworter der Anlage im Publikum, darunter der Grüne Dieter Strassner, betonen, dass zwar alle die schnelle Energiewende wollten, aber die Konsequenzen, die alternative Energien mit sich brächten, ablehnten. Als unfair bezeichnet Brandes, wenn die Lampertheimer ihm und seinem Unternehmen Dinge vorwürfen, die der Gesetzgeber festgelegt hat. "Wir halten uns an gesetzliche Vorgaben", betont er mehrmals.

Die geforderten konkreten Zahlen will der Investor den Lampertheimern bei einer weiteren öffentlichen Versammlung im Rahmen des Verfahrens vorlegen. Diese soll voraussichtlich im August stattfinden.

© Südhessen Morgen, Freitag, 04.05.2012 /
Von unserem Redaktionsmitglied Anne-Kathrin Jeschke

Es darf gestritten werden

27.04.2012 - LAMPERTHEIM

Von André Heuwinkel

BIOGAS Am 2. Mai tauschen sich Projektleiter und Skeptiker über die geplante Anlage im Stadthaus aus

Noch ist kein Spatenstich getan, doch schon jetzt beginnen sich die Fronten zu verhärten, die Rhetorik wird profilierter. Es geht um die geplante Biogasanlage an der Lache, nahe der Wormser Landstraße (die LZ berichtete). Nun formiert sich Widerstand.

Eine „Initiativgruppe Biogasanlage“ hat sich zusammengefunden, um für die Bürgerinformationsveranstaltung am 2. Mai im Stadthaus das Für und Wider abzuwägen und eigene Bedenken vorzutragen. Die Initiativgruppe versteht sich als Untergruppe der Lokalen Agenda 21 - Natur, Landwirtschaft und Ressourcen. Am Mittwochnachmittag haben sie im Alten Rathaus zu einem ersten Pressegespräch geladen.

Neben der Landwirtin Iris Henkelmann, die in der Nähe des Areals für die geplante Biogasanlage wohnt, waren Dieter Melchior vom BUND-Kreisverband (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) sowie die NABU-Vorsitzende Lampertheim, Andrea Hartkorn anwesend. Grundsätzlich habe die Initiativgruppe nichts gegen eine Biogasanlage. „Wenn wir die Energiewende voranbringen möchte, müssen wir auch über Ergänzungen zu Wind und Sonne nachdenken“, führte Melchior aus. „Biogas ist aufgrund seiner Speicherfähigkeit gut geeignet, die wetterbedingten Schwankungen anderer erneuerbaren Energien auszugleichen“, so der BUND-Vertreter. Allerdings halten er wie seine Kollegin Hartkorn die geplante Biogasanlage für „überdimensioniert und zentralisiert“.

Zur Erinnerung: Der Bau der Biogasanlage ist in zwei Bauabschnitte unterteilt. Im ersten Schritt kann sie eine Leistung von 1,2 Megawatt erbringen, die maximale Größe ist auf eine Fläche von 2,7 Hektar begrenzt. Dies hat Olaf Brandes, Projektleiter von EnviTec, während der Pojektvorstellung im März bestätigt. Gemeinsam mit Werner Hartmann, Inhaber der Agrarprodukte Hartmann GmbH & Co. KG, möchte das Unternehmen aus Niedersachsen das Vorhaben realisieren. Während Dieter Melchior aufgrund einer Biogasanlage die Artenvielfalt von Vögeln und Bodenbrütern gefährdet sieht, wird NABU-Vorsitzende Andrea Hartkorn in ihrer Kritik drastischer: „Den Projektplanern geht es um Profit, nicht um Nachhaltigkeit“, greift sie das Projekt an. Die geplante Anlage sei zu groß und nicht dezentral.

Investor wehrt sich gegen die Vorwürfe

Projektleiter Brandes sieht dies ganz anders und wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Die geplante Anlage an der Lache ist schon der kleinstmögliche Typ. Durch die neue Modultechnik konnte die Größe im Vergleich zu früher deutlich verringert werden.“ In Deutschland gebe es nur zehn bis 15 Anlagen, die noch kleiner wären. Von einer „zentralisierten Großanlage“, wie Hartkorn sie monierte, könne keine Rede sein. „Wir haben an über 50 Standorten in Deutschland dezentrale Biogasanlagen, das wird auch in Lampertheim nicht anders sein.“ Schließlich, so Brandes, rede man hier nicht von Anlagen mit 1 000 oder mehr Normkubikmetern, sondern von rund einem Viertel davon.

Außerdem stammten die Rohstoffe zur Substratgewinnung überwiegend aus der Region. Auch das Argument der „abnehmenden Artenvielfalt“ aufgrund des Maisanbaus lässt Brandes nicht gelten. „Das ist ein Totschlagargument, der Anteil des Maises beim Substratgemisch zur Gewinnung von Biogas ist ohnehin begrenzt.“ Außerdem sei Hessen das einzige Bundesland im gesamten Bundesgebiet, das seine Zunahme an Grünflächen zu verzeichnen habe. „Gerade deswegen ist dieses Argument deplatziert.“

Naturschützer Hartkorn und Melchior möchten sich nicht beirren lassen und verweisen auf ein Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Darin werden besonders „agrarindustrielle Großanlagen“ sowie die Verwendung von Hühnertrockenkot zur Substratmischung kritisiert. Wer sich eine eigene Meinung zu dem zugegebenermaßen nicht immer leicht verständlichen Thema bilden möchte, kann die Info-Veranstaltung am Mittwoch, 2. Mai, im Stadthaus besuchen. Beginn ist um 18.30 Uhr. Sowohl EnviTec als auch die Initiative zur Biogasanlage haben 30 Minuten Zeit, ihre Pläne und Argumente vorzutragen, hiernach folgt eine offene Diskussionsrunde. Der Showdown kann beginnen.


Biogasanlage: Informationsveranstaltung am Mittwoch im Stadthaus

Auch Gegner präsentieren Bürgern ihre Argumente

Lampertheim. Sie sind nicht generell gegen Biogas - das will Dieter Melchior vom Agenda-21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen gleich zu Beginn des Pressegesprächs klarstellen. Aber sie sind gegen die Pläne der Biogas Lampertheim GmbH & Co. KG, eine Tochter der EnviTec Biogas AG und der Nibelungen Energie-Lache GmbH & Co. KG Lampertheim, die den Bau und Betrieb einer Biogasanlage am Standort Lache plant.

Und diesen Standpunkt will die Arbeitsgruppe - bestehend aus Mitgliedern des Arbeitskreises, die sich ganz konkret mit dem Thema Biogas beschäftigen - auch in der Öffentlichkeit vertreten. Der nächste Termin dafür steht fest: der kommende Mittwoch.

Denn bei der Informationsveranstaltung, bei der Projektentwickler Olaf Brandes von der Firma EnviTec den Lampertheimern sein Konzept vorstellen wird, kommen auch sie zu Wort: Jeweils 30 Minuten bleiben beiden Seiten, um ihre Argumente vorzutragen, danach ist eine Stunde Diskussion eingeplant. Es kommt zum Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern, die Bürger im Publikum dürfen mitdiskutieren.

Angst vor Vermaisung

Es sind viele Aspekte, die Dieter Melchior als Vertreter des BUND, NABU-Vorsitzende Andrea Hartkorn und Iris Henkelmann, die sich als Vertreterin der Landwirte, die dem Projekt kritisch gegenüberstehen, versteht, vorbringen: "Wir haben ein Problem damit, wenn die Biogasanlagen eine bestimmte Größe überschreiten", sagt Melchior. Wenn, um sie zu bauen, unverhältnismäßige Eingriffe in die Natur notwendig würden.

Der Arbeitskreis kritisiert unter anderem, dass große Anlagen eine gewisse Substratmenge voraussetzen: Die Gegner befürchten, dass Lkw-Ladungen mit Hühnertrockenkot aus anderen Bundesländern angekarrt werden. "Was wiederum die Massentierhaltung fördert", wie Andrea Hartkorn bedauert. Außerdem weist die Gruppe auf die Gefahr der Vermaisung hin: "Durch Maisäcker wird die Ausräumung der Landschaft verschlimmert", so Melchior. Zudem böten Maisfelder keinen Lebensraum für Tiere - "außer für Wildschweine". Hartkorn befürchtet zudem, dass der Bau einer Biogasanlage auch ein "Einfallstor für genmanipulierten Mais" werden könnte.

Der Investor sei "kein Verein zur Pflege von Natur und Landwirtschaft", so Melchior. Eindeutig stünden wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Das sei ja auch sein gutes Recht - aber genauso müsse den Gegnern zugestanden werden, ihre Probleme und Zweifel vorzubringen. Gerade, da auch immer wieder neue Erkenntnisse hinzukämen. Die Naturschützer befürchten beispielsweise, dass der Betreiber mit dem Bau einer kleineren Anlage anfange, diese aber in Zukunft weiter ausbauen könnte.

Gegen kleine Anlagen, angegliedert an bäuerliche Betriebe, hat die Gruppe nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Wenn die Landwirte dort das Substrat aus dem Betrieb in Energie umwandelten, sei dies nachhaltig und begrüßenswert. akj

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 26.04.2012

„Es bleiben Zweifel“: Landwirt Schmidt sieht Probleme bei der geplanten Biogasanlage

BIOGASANLAGE Landwirt Christian Schmidt ist beim geplanten Bau
an der Lache skeptisch


Christian Schmidt vor der Fläche, auf der die Biogasanlage gebaut werden soll: Der Landwirt ist dem Projekt gegenüber skeptisch eingestellt und sieht Nachteile nicht genügend gewürdigt. Foto: AfP Asel

11.04.2012 - LAMPERTHEIM /Von André Heuwinkel

Nein, er habe generell nichts gegen landwirtschaftliche Biogasanlagen, erst recht nichts gegen erneuerbare Energien. Christian Schmidt steht vor dem Grundstück nahe der Wormser Landstraße und zeigt auf das Areal, auf dem eine Biogasanlage entstehen soll. Geplante Inbetriebnahme: Frühestens Anfang 2014. Zumindest, wenn es nach dem Willen von Werner Hartmann, Inhaber der Agrarprodukte Hartmann GmbH & Co. KG, und der EnviTec Biogas AG geht.

Bis dahin hat das Projekt noch mehrere institutionelle Hürden zu nehmen, wie beispielsweise eine öffentliche Info-Veranstaltung, die für den Mai geplant ist sowie eine Bürgerversammlung im August. Ebenso muss eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) vorliegen. Vor April 2013 dürfte sich auf der rund 2,7 Hektar großen Fläche also wenig regen.

Was noch nach ferner Zukunftsmusik klingt, ist für Christian Schmidt längst akut. Der studierte Agrarökonom möchte spätestens im nächsten Jahr den Hof seiner Eltern, der nur wenige hundert Meter vom Areal der geplanten Biogasanlage entfernt ist, übernehmen und macht im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich, dass längst nicht alle Lampertheimer Landwirte bei dem Thema Biogasanlage aus dem Häuschen sind.

Erhöhte Pflanzenschutz- und Mineraldüngeraufwendungen

„Es sollte mal darüber nachgedacht werden, ob Lampertheim als Standort überhaupt Sinn macht“, sagt der Jung-Landwirt. Die Landwirtschaft in Hessen sei eher klein strukturiert, nicht so weiträumig wie in Niedersachsen oder in Ostdeutschland. „Intensive Gemüsefruchtfolgen werden durch den Zwischenfruchtsubstratanbau weiter intensiviert, dadurch werden erhöhte Pflanzenschutz- und Mineraldüngeraufwendungen sowie künstliche Bewässerung nötig, die eine intensivere Bearbeitung des Bodens notwendig machen“, so Schmidt. Die Folge: „Die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktionsverfahren wird infrage gestellt.“

Für den Betrieb einer Biogasanlage werden als Substrate Mais, Hirse, Ganzpflanzensilage und Hühnertrockenkot eingesetzt. Zwar befürchtet auch Schmidt keine Vermaisung Lampertheims, da der Anteil der Süßgraspflanze auf höchstens 60 Prozent beim Substratgemisch reduziert wird. In manchen Punkten deckt sich Schmidts Kritik mit jener Willi Billaus vom Regionalbauernverband Starkenburg. Dieser befürchtete in einer Stellungnahme des Verbands im März, dass nicht genügend Anbauflächen zur Verfügung ständen und mahnte, das Thema „Hühnertrockenkot psychologisch ernst zu nehmen“.

Hier hakt Schmidt ein, für den das Thema auch wissenschaftlich noch nicht vom Tisch ist und verweist auf Beiträge von Dr. Bernd Köhler vom RIPAC-Labor in Potsdam. Der Wissenschaftler untersuchte die „Wechselwirkungen von Clostridien-Toxininfektionen mit der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung von Clostridum botulinum und Entsorgungsverfahren in der Tierhaltung“.

Gefahr von Botulismus

Was damit gemeint ist: Die Gefahr von Botulismus. Für die Vergiftung ist das Bakterium Clostridum botulinum verantwortlich, das sich besonders unter anaeroben (ohne Sauerstoff) Zuständen bildet, diese Bakterien produzieren das Gift Botulinumtoxin. Gelangen beispielsweise Tierkadaver beim Häckseln in die Silage durch Hühnertrockenkot in die Biogasanlage, so kann das Gärsubstrat, das als Dünger wieder in der Lampertheimer Gemarkung ausgebracht wird, mit den Gift bildenden Bakterien kontaminiert sein.

„Diese besonderen Bakterien haben keinen eigenen Stoffwechsel und könnten Millionen von Jahren im Boden überdauern, bei optimalen Bedingungen keimen die Bakterien aus, bilden Sporen, und verbreiten sich unsichtbar durch Wind in der Region“, so Schmidt.

Die Befürchtung des Jung-Landwirts: Wird der Gärrest auf landwirtschaftliche Flächen als Dünger ausgetragen, könnte kontaminiertes Material zurück in den Naturkreislauf gelangen und später die landwirtschaftlichen Ernteprodukte - in Lampertheim vor allem Gemüse und Co. - stark belasten. Doch ob wirklich Biogasanlagen hierfür mitverantwortlich gemacht werden können, ist in der Wissenschaft noch umstritten. Zwar sind besonders in Niedersachen - wo mit Abstand die meisten Biogasanlagen stehen - in den letzten Jahren vermehrt Fälle chronischen Botulismus‘ bei Rindern beobachtet worden. Dabei wurden auch Landwirte und behandelnde Tierärzte mit dem Neurotoxin infiziert.

BOTULISMUS (ICD-A05.1)
Botulismus ist eine Lebensmittelvergiftung, hervorgerufen durch das Bakterium Clostridium botulinum, welches das stärkste bakterielle Nervengift (Neurotoxin) produziert. Diese Erkrankung ist in Deutschland mit zirka 50 bis 100 Fällen pro Jahr selten. Eine Intoxikation kann durch Nahrungsmittel und Inhalation von Toxinen verursacht werden. Die Ansteckung erfolgt meist durch den Verzehr von Speisen, vor allem Fleisch- und Wurstwaren, die in sauerstoffabgeschlossenen Konserven angeboten werden. Es gibt sieben verschiedene Typen dieses Neurotoxins (A bis G), von denen jedoch nur die Typen A, B und E beim Menschen Symptome hervorrufen. (Quelle: AOK)


Pathogene Chlostridien entdeckt

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium hingegen gab Ende 2011 nach einer Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover unter Leitung von Prof. Dr. Gerhard Breves Entwarnung. In keiner der untersuchten Biogasanlagen wurden in einer repräsentativen Stichprobe pathogene Chlostridien entdeckt.

Skeptiker Christian Schmidt hat das bislang noch nicht überzeugt. „Es gibt bisher zu wenige Expertisen“, bemängelt der 28-Jährige. Sollte doch ein Problem auftreten, sei „der Aufschrei groß. Es bleiben Zweifel.“ Die Zukunft wird zeigen, welche Haltung recht behält.


Biogasanlage: Willi Billau ist skeptisch, dass genügend Landwirte das Projekt unterstützen werden / Werner Hartmann verteidigt sein Projekt

Streit um Mais und Hühnertrockenkot

Lampertheim. Landwirt Werner Hartmann will Gas geben. Doch einige seiner Berufskollegen teilen seine Begeisterung nicht. Sie bringen seinem Plan, eine Biogasanlage zu bauen, Skepsis entgegen. Dennoch ist Hartmann sicher, dass er genügend Landwirte auf seine Seite bringen kann, um sein Projekt Wirklichkeit werden zu lassen.

Allerdings gehört mit Willi Billau einer der stimmkräftigsten Standesvertreter zu Hartmanns Gegnern. Dies hat sich kürzlich bei einer Informationsveranstaltung in Lampertheim gezeigt. Bei dieser Gelegenheit hat auch der Projektentwickler der Firma Envitec, Olaf Brandes, seine Pläne präsentiert. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Billau anschließend, grundsätzlich sei gegen den Betrieb einer Biogasanlage nichts einzuwenden. "Aber", so schränkt er ein, "es macht nicht überall Sinn".

Billau ist davon überzeugt, dass sein Kollege Werner Hartmann - dieser ist im übrigen auch Kreisvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung - nicht genügend Flächen zusammenbekommt, um ausreichend Biomasse verwerten zu können. Selbst bei einer Kapazität von 400 Hektar benötigter Fläche sei es fraglich, ob sich Hartmann auf die erforderlichen Anbauten und Lieferungen der umliegenden Landwirte verlassen könne. Dies auch vor dem Hintergrund aktueller Pläne der EU-Agrarkommission, finanzielle Anreize zur Stilllegung landwirtschaftlicher Flächen zu schaffen.

Konkurrenz aus Bürstadt

Laut Billau sind die Felder um Lampertheim von einem hohen Anteil an wertschöpfungsintensiven Kulturen gekennzeichnet. Die Nachfrage selbst von Großmärkten nach regionalen Produkten steige. Deshalb werde es Hartmann beispielsweise schwer haben, ausreichende Mengen an Mais für die Biogasanlage zu bekommen. Auch Hühnertrockenkot könnte knapp werden; so rechnet Billau damit, dass dieser künftig aus hygienischen Gründen für die Düngung des Gemüseanbaus verboten werde.

Nachteile für Hartmanns Projekt sieht der Lampertheimer Landwirt auch mit Blick auf Bürstadt, wo demnächst eine Biogasanlage in Betrieb gehen soll. Auch in der Nachbargemeinde habe man mit Mühe und Not 280 Hektar Flächen zusammen gebracht, um verwertbare Biomasse zu erhalten. "Wir wollen die Anlage nicht tot treten", beteuert Billau, "aber wir möchten keine Ruine".

Biogas-Verfechter Werner Hartmann übt sich derweil in Gelassenheit. Allerdings plädiert er für eine sachliche Debatte. Zu viele Vermutungen und Spekulationen seien über die geplante Anlage im Umlauf. Was den Hühnertrockenkot betrifft, so sei dessen Herkunft entscheidend. Für die geplante Biogasanlage werde auf Material von Legehennen zurückgegriffen, das als Standarddünger bei Biobetrieben zugelassen sei. Ohnehin spiele er bei einer Biogasanlage aber nur zu zehn Prozent am Gesamtvolumen eine Rolle. An Mais will Hartmann maximal 60 Prozent generieren, dies erfordere einen Flächenbedarf von 200 Hektar - zehn Prozent der Gesamtlandwirtschaftsfläche Lampertheims. "Von einer Vermaisung kann keine Rede sein", unterstreicht Hartmann. Die restliche Biomasse will er mit Gräsern und Getreidekulturen beisteuern und sie in die Fruchtfolge des Gemüseanbaus integrieren.

Hartmann berichtet auf Anfrage, etliche Landwirte hätten ihm bereits Lieferungen zugesagt, die für eine Fläche von 200 Hektar ausreichten. Er geht davon aus, dass sich weitere Bauern anschließen werden, wenn die Anlage erst einmal steht. Kommende Woche findet der erste Erörterungstermin mit der Verwaltung statt. Mit einem Baubeginn rechnet Hartmann nicht vor Ende 2013.

© Südhessen Morgen, Samstag, 17.03.2012
Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbach


Biogasanlage: Bebauungsplan wird aufgestellt

Viele Fragen, viel Kritik

Lampertheim. So richtig warm wurde im Stadtparlament niemand mit dem Vorhaben von Landwirt Werner Hartmann, auf seinem Betriebsgelände an der Wormser Landstraße eine Biogasanlage zu errichten. Am Ende stimmte in der jüngsten Sitzung des Gremiums aber jede Fraktion zumindest der Aufstellung eines Bebauungsplanes zu.

Am entschiedensten trat dafür noch Hartmanns Fraktionskollege Franz Korb ein, der die Abgeordneten dazu aufforderte, zumindest einen Planungsprozess in Gang zu setzen, um in dessen Verlauf die verbliebenen offenen Fragen zu klären. Hiervon scheint es etliche zu geben, wie auch Grünen-Fraktionschef Helmut Rinkel einräumte. Er brachte etwa die zu erwartende höhere Bodenerosion, die Nitratbelastung sowie die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft ins Spiel, die dem Betrieb einer Biogasanlage entgegenstünden. Grund dafür sei der vermehrte und einseitige Anbau von Mais zur Verwertung als Biomasse. Auch sei mit einem hohen Transportaufkommen im Bereich des Standorts zu rechnen. Ferner drohten Landwirte gegen die geplante Anlage "auf die Barrikaden" zu gehen. Sie setzten sich gegen die Düngung ihrer Äcker mit Gärresten zur Wehr.

Wie Helmut Rinkel forderte auch FDP-Fraktionsmitglied Helmut Hummel die Einberufung einer Bürgerversammlung, um die bestehenden Probleme im Zusammenhang mit der geplanten Biogasanlage aus dem Weg zu räumen. Und auch SPD-Fraktionschef Hans Hahn gab zu, dass das Projekt unter seinen Parteifreunden keine einhellige Zustimmung hervorgerufen habe. Dennoch wolle die Fraktion durch ihre Zustimmung einen Beitrag zur Energiewende leisten. Der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan ging im Parlament mit einer Enthaltung durch. urs

Südhessen Morgen
20. Februar 2012


Energie: Bürger fühlen sich übergangen / Initiator Hartmann und Agenda-Gruppe im Streit / Verwaltung: "Wir sind erst am Anfang"

Biogasanlage sorgt schon jetzt für dicke Luft

Lampertheim. Das Biogas bleibt Diskussionsstoff - und das nicht nur im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss (wir berichteten). Auch unter Anwohnern in der Nähe des Agrarbetriebs von Werner Hartmann, der die Anlage gemeinsam mit dem Investor Envitec errichten will, ist die Aufregung nun groß. Der Hühnermist werde aus Norddeutschland oder Holland nach Lampertheim gefahren, das sei doch nicht ökologisch, schimpft Iris Henkelmann. "Aber: Uns fragt ja keiner."

Das ist auch Peter Franz' größtes Problem: "Ich persönlich bin noch nie darauf angesprochen worden, weder von Herrn Hartmann noch von der Stadt." Wenn der Weg zur Belieferung der Biogasanlage so gebaut werde, wie es gerade geplant sei, "dann fahren die fast durch meinen Vorgarten", sagt er. Er habe nicht grundsätzlich etwas gegen den Bau einer solchen Anlage, aber wenn er genau wüsste, dass es extrem laut werde oder bestialisch stinke, dann sicherlich. Es fehlt ihm, klagt er, an detaillierten Informationen.

Auch die Agenda-21-Gruppe "Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen" bedauert, dass noch viel zu viele Frage offen seien. "Wir hätten uns eine Bürgerinformationsveranstaltung vonseiten der Stadt gewünscht", sagt Sprecherin Andrea Hartkorn.

Doch Hans-Joachim Schahn, Leiter des Fachdienstes Stadtplanung bei der Stadtverwaltung, will die erhitzten Gemüter beruhigen: "Wir sind noch ganz am Anfang", sagt er. Bislang sei im Ausschuss lediglich über eine vorbereitende Beschlussfassung für den Bebauungsplan abgestimmt worden. "Wir haben hier sozusagen eine weiße Fläche - die in den kommenden Monaten mit Inhalten gefüllt werden muss." Und da komme noch viel Arbeit auf die Verantwortlichen zu: Es ist zwingend vorgeschrieben, sämtliche Behörden an den Planungen zu beteiligen. Außerdem ein Muss: "ein Informationsabend für alle Bürger". Sämtliche Einwände würden angehört und ernst genommen, versichert Schahn. Viele dächten: "Das Ding wird so gebaut. Punkt." Das sei nicht richtig. Bislang hätten die Kommunalpolitiker lediglich ihren Willen bekundet, eine Anlage an diesem Standort zu bauen. Selbst wenn jetzt alles "glücklich verlaufe", gehe eine Anlage wohl erst 2014 in Betrieb.

"Werden dafür stimmen"

Dass sie wirklich in Betrieb gehen wird, daran glaubt Werner Hartmann fest. Im Ausschuss am Dienstag haben sich Helmut Rinkel und Carmen Kunz von den Grünen enthalten. Vorher hatten sie um vier Wochen Aufschub gebeten, weil Rinkel noch viel Aufklärungsbedarf bei den Bürgern sieht. Er stellt jedoch klar, dass seine Partei "sich ausdrücklich für die Biogasanlage aussprechen und in der Stadtverordnetenversammlung auch dafür stimmen wird".

Rinkel beschäftigt jedoch Folgendes: "Ich persönlich habe nur ein Problem damit, wenn der zukünftige Betreiber die Agenda-21-Gruppe wegen angeblicher Verbreitung von Unwahrheiten an den Pranger stellen will", sagt er. Hartmann habe die Lokalpolitiker in einer E-Mail dazu aufgefordert, über die Gruppe zu beraten, da es "für Lampertheim untragbar sei, einer Agenda-21-Gruppe für die Verbreitung von Unwahrheiten eine Plattform zu bieten". Das mache ihn, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende, doch sehr betroffen. Und es könne eben auch dazu führen, dass "man sich in einer Ausschusssitzung unter Druck gesetzt fühlt".

"Unsachlich und befremdlich"

Werner Hartmann ist wütend auf Andrea Hartkorn. Sie sei Sprecherin der Agenda-Gruppe und nicht "Propagandaministerin von NABU und anderen Naturschutzvereinigungen", sagt er. Die Gruppe werfe ihm vor, dass durch eine Anlage in Zukunft überwiegend Mais angebaut werde. Außerdem hätten die Mitglieder ihm Daten über die Nitratbelastung des Bodens vorgelegt, die "schlicht falsch" seien. "Wir setzen nicht vordergründig auf Mais, sondern auf Ganzpflanzensilage", sagt Hartmann. Diese Pflanzen würden im Herbst gesät und im Mai geerntet, Gemüse könne trotzdem angebaut werden. "Es wird einen Anteil an Mais geben, aber keine Monokultur."

Hartkorn nennt Hartmanns Ton "unsachlich und befremdlich". Die Nitratwerte habe die Gruppe aus einem Bericht des Vereins VSR-Gewässerschutz. Die Agenda-Gruppe, die einen Fragenkatalog erarbeitet hat, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema - und berät selbst noch, wo genau sie sich positioniert. Man wolle ja Gespräche, sagt Hartkorn - "aber nicht im Hinterzimmer".

Südhessen Morgen/Redaktionsmitglied Anne-Kathrin Jeschke
10. Februar 2012


Fluch oder Segen?

15.12.2011 - LAMPERTHEIM

Von André Heuwinkel/Lampertheimer Zeitung

AGENDA 21 Mitglieder, Landwirte und Kommunalpolitiker diskutieren über Vor- und Nachteile einer Biogasanlage

Nicht überall, wo „Bio“ draufsteht, ist auch „Bio“ drin. Zu diesem Ergebnis kam zumindest die Lokale Agenda 21 - Naturschutz, Landwirtschaft, Ressourcen - in der dienstagabendlichen Diskussionsrunde im Sitzungssaal des Alten Rathauses. Zentrales Thema waren mögliche Auswirkungen auf Natur, Landwirtschaft und Umwelt im Fall einer Biogasanlage für Lampertheim, die bereits seit Monaten in Planung ist (wir berichteten). Ebenso war die Agenda bestrebt, Alternativen zur Nutzung von Mais für den Betrieb von Biogasanlagen aufzuzeigen. Entsprechend gut besucht war der Sitzungssal. Es erschienen nicht nur Mitglieder der Agenda-Gruppe, sondern auch Landwirte und Kommunalpolitiker, allen voran Werner Hartmann, dessen Betrieb Agrarprodukte Hartmann GmbH & Co. KG in Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Unternehmen EnviTec Biogas AG das Vorhaben realisieren möchte.

Der Diskussion gingen zuerst ein Vortrag der Agenda-Sprecherin Andrea Hartkorn sowie zwei Videoclips Hardy Ruckdeschels voran. Die Beiträge sollten die vermeintlich negativen Auswirkungen von Biogasanlagen - speziell vor dem Hintergrund von Mais-Monokulturen - kritisch beleuchten. Andrea Hartkorn machte deutlich, dass vermehrter Maisanbau zu hohem Einsatz von Dünger und Pestiziden und zu einer Abnahme der Biodiversität führe. Es gebe Landkreise, in denen auf 60 Prozent der Ackerflächen nur noch Mais angebaut werde, Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten würden so vernichtet und verbindende Biotopstrukturen abnehmen. Ebenso stellte Hartkorn die Grundsatzfrage auf, ob Biogas aus Mais überhaupt geeignet sei, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, da durch den Betrieb von Biogasanlagen ein beträchtliches Potenzial an Distickstoffmonoxid (Lachgas) freigesetzt würde, das ähnlich wie Methan wesentlich schädlicher ist als CO2.

Die Zweifel wurden in zwei Videobeiträgen, die Zusammenschnitte aus der 3-sat-Sendung „nano“, der SWR-Sendung „Report Mainz“ sowie einem mdr-Beitrag zeigten, untermauert. Die Ernte berge Gefahren für Bodenbrüter. Die Verwendung von Wildblumen bilde hingegen eine sinnvolle Alternative. Der zweite Beitrag arbeitete hingegen einen zweiten Brandherd heraus: Botulismus - eine Lebensmittelvergiftung, die Lähmungserscheinungen hervorruft und tödlich verlaufen kann. Das Botulinumtoxin entsteht als Stoffwechselprodukt des Bakteriums Clostridium botulinum und kann Mensch wie Tier gleichermaßen befallen. Die Wissenschaftler Professor Dr. Helge Böhne und Professor Dr. Dirk Dressler (Medizinische Hochschule Hannover) wiesen auf der neunten Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)-Haupttagung im März 2010 auf die Problematik hin und äußerten den Verdacht, dass der Betrieb von Biogasanlagen dafür mitverantwortlich sein könnte. Auch „Zeit-Online“ sprach in einem Artikel vom August dieses Jahres von einer „ignorierten Seuche“. Die Annahme: Beim Schnitt von Biomassepflanzen werden Tiere mitgehäckselt und gelangen ins Gärsubstrat. Der Gärschlamm kann als Dünger wiederverwendet werden und in die Natur zurückgelangen.

Werner Hartmann machte allerdings deutlich, dass eine derartige Verwendung des Gärschlamms nicht vorgesehen sei. In der Zusammensetzung der Substrate - eine eigene Rezeptur - soll die Verwendung von Hühnerkot ausgeschlossen werden. Hintergrund seien Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das neue Förderrichtlinien für die Verwendung bestimmter Substrate vorsehe. „Es wird dabei ein richtiger Katalog aufgestellt, und es ist abzusehen, dass die Verwendung von Hühnerkot aus ökonomischer Sicht völlig sinnlos ist“, versicherte der Landwirt, der auch für die CDU im Stadtparlament sitzt. „Das sind ja ganz neue Erkenntnisse“, zeigten sich Agenda-Sprecher Volker Harres und FDP-Mann Helmut Hummel verblüfft. Werner Hartmann skizzierte einen Substratmix aus „Winterbegrünung, Zuckerrüben, Hirse“ und weiteren Zutaten. Wie hoch der Maisanteil sein werde, sei noch nicht absehbar, allerdings: „Eine ‚Vermaisung‘ Lampertheims droht definitiv nicht“. SPD-Abgeordneter Fritz Götz gestand: „Durch die Ausführungen bin ich weiter verunsichert.“ Dieser Einschätzung schloss sich auch Dieter Melchior an: „Wir befinden uns in einem Spannungsfeld. Klar ist aber auch, dass die Energiewende vorangetrieben werden muss. Keine Energiegewinnungsform kommt schließlich ohne negative Externalitäten aus.“

Hartmann betonte, dass rund 460 Hektar an Anbaufläche mit anderen Landwirten mündlich vereinbart worden seien. Abschließend zeigte sich Volker Harres ob der „Risikobereitschaft“ verwundert, da viele Faktoren noch „im Ungefähren“ seien.


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